Olympische Inspiration

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Einmal noch ein Blick zurück auf New York (wenn die Modewoche dort schon die einzige ist, die ich in dieser Saison – aus Zeitgründen – besuchen konnte), und zwar inklusive Seitwärts-Schielen nach Wien: Im Big Apple wurde ja unter anderem, also neben ungefähr zwanzig Trillionen Zweitlinien, auch die MM6-Kollektion gezeigt (das ist ein Ableger von Maison Martin Margiela, should you wonder). Die Inspiration kam (nicht ganz naheliegenderweise) aus Helsinki, und zwar in Form der dort 1952 ausgetragenen Olympischen Spiele.

Nun wissen wir ja alle, dass auch die Wiener/innen gerade nach ihrer Meinung zu Olympischen Spielen, von ihrer Stadt ausgetragen, befragt werden. Ob es das braucht, um die heimischen Modemacher zu inspirieren? Oder ob man sich doch lieber die Gentrifizierung von großen Teilen der Stadt und den „Olympic mayhem“ ersparen möchte? Nun ja…

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Holmes’sche Spürnase

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Ein Red-Carpet-Look? Man weiß es nicht recht.

Von Katie ist freilich die Rede, nicht von Sherlock. Von Katie, Ex-Mrs-Cruise, und der Mode. Von Katie und ihrer Mode, der von ihr persönlich entworfenen, höchstselbst.

Alle anderen werden schon davon gewusst haben, mir ist das Label Holmes & Yang erst bei meinen Vorbereitungen auf die diesjährige Oscar-Nacht untergekommen. Da monierte nämlich eine amerikanische Gossip-Seite, dass Katie Holmes endlich aufhören möge, diesen einen, schwarzen Seiden-Overall zu Werbezwecken auszuführen. Und kann man es den Gossip-Kollegen übelnehmen? Man kann nicht.

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Das rechte Overall-Modell ist derzeit das liebste Outfit von Frau Holmes. Nun ja.

Am Anfang war ja alles vielleicht noch ganz gut – 2011 wurde das Label von Frau Cruise-Holmes und ihrer Stylisten-Freundin Jeanne Yang lanciert. Mittlerweile, man klicke gern durch die ganze Kollektion, ist ja nicht mehr so viel Schönes übrig. Interessanterweise völlig ausgespart bleiben Red-Carpet-Looks, einmal abgesehen von gewissen Anflügen des Genres „große Robe“.

Fazit: Nicht jede Celebrity, die sich einbildet, Mode machen zu müssen, beweist damit eine Holmes’sche Spürnase.

Spaßterror im Theater

beigestellt, Theater Kosmos

Lasset uns heute gemeinsam gen Westen blicken, vielleicht nicht gerade bis zur Ostküste der USA, wie das noch letzte Woche der Fall war, aber doch bis in das äußerst entlegene Vorarlberg, nämlich nach Bregenz. Dort gelangt kommendes Wochenende, also von 20. bis 24. Februar, in der Studiobühne des Theater Kosmos, dem Kosmodrom, das Stück „Demut vor deinen Taten, Baby“ von Laura Neumann zur Aufführung.

Die Visuals erinnern an Pussy Riot x Baader Meinhof x Natural Born Killers, der Plot klingt gefinkelt-amüsant: Drei Spaß-Terroristinnen (dargestellt von Michaela Bilgeri, Anja Pölzl und Tatjana Velimirov) machen das Land unsicher – nach dem „versteckte Kamera“-Prinzip werden zuerst Geiselnahmen und andere Schrecklichkeiten inszeniert, erst in der letzten Sekunde wird das Ganze als Fake ausgewiesen, sodass die Menschen vor lauter Erleichterung sich vorl auter Glückshormonen nicht mehr retten können. Wegen der positiven Reaktionen auf diese Aktionen werden diese von der Regierung als nationale Bespaßungsstrategie definiert. Und dann kommt wahrscheinlich das dicke Ende.

Ich habe das Stück zwar nicht gesehen, aber das Vorkommen von Michaela Bilgeri allein (sie ist wirklich grandios) ist Garant für gute Unterhaltung (oben in der Bildmitte zu sehen) believe you me.

Also, liebe, verehrte Westösterreicherinnen und Westösterreicher, auch Ostschweizerinnen und Ostschweizer: hingehen, mitzittern, berichten. Dankeschön.

Der Schein der Dinge

Trojan Chair
Sébastien de Ganays Buch-Karton-Trojaner

Wenn die Dinge nicht (ganz) das sind, was sie zu sein schienen, dann ist das ja üblicherweise eher nicht so toll, also von wegen Täuschung, Hinterlist & Co. Im Fall der „Carton Chairs“ von Sébastien de Ganay, einem französischen, in (oder eher: bei) Wien lebenden Künstler, ist das aber eine durchaus feine Angelegenheit.

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Sébastien hat, ausgehend von einer Skulpturenserie, die der Form auseinandergeklappter Pappendeckelschachteln nachempfunden ist, eine Serie von (Wohn-Kunst)Objekten gestaltet und sich damit ins Feld der Angewandten Kunst bewegt. Besonders schön finde ich den „Trojan Chair“, siehe oben, in Pink, der außerdem noch Stauraum für Bücher oder bietet.

Schön ist übrigens auch, dass Sébastien akkurat mit dem Trojan Chair derzeit im Centre Pompidou zu sehen ist – und zwar als Teil von „Book Machine“, einem Kunstprojekt, das von One Star Press kuratiert wird und in dessen Rahmen Künstler Bücherregale gestaltet haben.

Rock the Endgerät

© Elsa Okazaki
The Bandaloop, fotografiert von Elsa Okazaki.

Diesmal etwas ganz anderes – nämlich ein TV-Tipp. Also eigentlich ja eher ein SMS-Tipp. Ein Fernseh-und-Abstimm-Tipp. Ein Aufruf. Whatever.

Heute Abend, am 15. Februar um 20.15,  strahlt der ORF eine Sendung aus („Österreich rockt den Songcontest“), in deren Rahmen über die diesjährigen Abgesandten nach Malmö, also zum Eurovisions-Songcontest entschieden wird. Der Songcontest ist sowieso etwas wunderbar Unterhaltsames, und heuer ist auch noch eine der möglicherweise repräsentativen Bands wirklich großartig – „The Bandaloop“ nämlich.

Die Musik ist wirklich nicht übel, die Performance-Qualitäten des Trios (allen voran: Frontwoman Barca Baxant) sind außerdordentlich, und modeaffin sind sie auch noch.


Barca wird am 15. Februar ein Outfit von Anna Aichinger tragen, möglicherweise kommt auch Awareness & Consciousness zum Zug – gut und wichtig finde ich das, die österreichischen Designer brauchen schließlich auch publikumswirksame Testimonials.

Einziges Detail am Rande, das den Unterhaltungswert des Abends trüben könnte: Ko-Moderatorin von Andi Knoll (der ja eh ganz süß ist) ist die verlässlicherweise Nerven sägende Mirjam Weichselbraun. Findet der ORF keine andere Moderatorin in seinem Stall? Sind die Nachwuchssorgen ähnlich groß wie bei der „wir finden Laura Rudas jugendlich und frisch“-SPÖ? Aber das ist natürlich eine ganz andere Geschichte.

Givenchy oder Balenciaga? Hauptsache rüschig!

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Rüscherlanzeigenmotive: von Balenciaga und Givenchy, artig beschriftet.

Jaja, ich weiß schon – die Modepresse und ihre Tendenz, Dinge aufzubauschen. Aber das ist nun einmal Teil des leicht hysterisch angehauchten Berufsfeldes, derlei kommt alle paar Saisonen wieder – jetzt wird gerade Raf Simons vs. Hedi Slimane ausgekostet bis zum Letzten, irgendwann war es Nicolas Ghesquière vs. Christophe Descarnin, und irgendwer wird dann zwischendurch eben verrückt, weil er bei dem Spiel nicht mehr mitmachen will.

Dieser Blog-Eintrag soll aber gar nicht bis ins Innerste der Funktionsweisen des Modesystems führen, ich wollte nur auf eine Auffälligkeit hinweisen, die sich auf den „Givenchy vs Balenciaga“-Nenner bringen lässt: Beim Durchblättern der Märzausgabe der US Vogue (wieder einmal finde ich es erstaunlich, um wieviele journalistische Klassen die amerikanische Vogue besser ist als die unsäglich inhaltsleere deutsche) ist mir aufgefallen, dass die Anzeigenmotive von Balenciaga und Givenchy sich doch sehr ähnlich sehen.

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Beyoncé, in Givenchy, am Cover der Märzausgabe der US Vogue.

Zusätzlich bizarr ist, dass eine Blutsverwandte von dem Givenchy-Modell in sehr ähnlicher Form auch noch das Cover des Magazins ziert, für das Beyoncé ihr Celebrity-Gesichtchen in die Kamera gehalten hat. Ob man da nicht eine andere Givenchy-Anzeige unterbringen hätte können (nicht auf allen, die aktuell kursieren, sind Rüschen-Schößchen zu sehen)?

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Einmal am Cover, ein zweites Mal als Testimonial ihres eigenen Duftes – die Märznummer markiert Beyoncés Vogue-Sternstunde.

Dass irgendwo im Heft dann nochmal eine ganze Seite Beyoncé folgt, diesmal als Testimonial (Stichwort: Kreatidirektion) für ihr eigenes Parfum in einem Anzeigenmotiv, darf wohl als weitere Ungeschicktheit der verantwortlichen Anzeigenabteilung verbucht werden. Oder seh ich das zu eng?

Erstaunliche Kombi

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Noch einmal New York – zwischen den Shows, anderen Terminen und (let’s be realistic) stundenlangen Worksessions im Hotelzimmer bleibt da schon mal ein bisschen Zeit zum Shoppen (man muss sich ja auf dem Laufenden halten, nicht wahr? – außerdem haben hier die Geschäfte easily bis 21 oder 22 Uhr offen).

Jedenfalls gehört für mich zu einem New-York-Besuch das Gewurl im „Century 21“ in Lower Manhattan absolut dazu: Das ist ein Departmentstore, in dem preislich reduzierte High-End-Markenware angeboten wird. Das offizielle Credo lautet „the best style at up to 65% retail 100% of the time“  – man kauft Restposten aus der Produktion großer Marken auf, zumeist kommt nicht die aktuelle Ware in den Laden (das ist allerdings angesichts des aberwitzigen Tempos, das im Modezirkus herrscht, wo ohnehin schon keiner mehr weiß, welche Klamotte es wann genau eigentlich zu kaufen gibt, schon fast egal).

Besonders, ähm, originell finde ich ja die zwischendrin (sagen wir, das Century 21 ist nicht gerade der aufgeräumteste Ort dieser Welt) platzierten Kleiderständer mit der Aufschrift „Famous Designers“. Das nimmt sich zwischen den anderen Cornerchen, die Versace, Dolce & Gabbana, Armani, Saint Laurent, Balmain, Calvin Klein, Donna Karan etc. vorbehalten sind, ja relativ drollig aus.

Inmitten dieses Mischmasch aus wirklich großen Namen, Highstreet-Brands und eben „famous designers“ ist mir letztens auch eine „Damir Doma„-Nische aufgefallen, der also offenbar in New York noch mehr „famous“ ist als andere „famous designers“.

Das finde ich aber nun schon verwunderlich – Damir Doma, groß und bekannt genug, um ein eigenes Eck im Century 21 zu bekommen!? Immerhin entspricht seine Ästhetik ja auch eher nicht den amerikanischen Ansprüchen nach gediegener Wearability. Und es würde mich wundern, wenn die Century-21-Shopper ohne weiteres zu den nicht gerade günstigen Teilen Domas greifen würden. Aber man lässt sich ja immer wieder einmal gern überraschen.

Rundum kommunikativ

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Als Diesel Black Gold Bloggerin-Slash-Model-Slash-Webcelebrity Hanneli Mustaparta einlud, für die aktuelle Kampagne als Kreativdirektorin (ich weiß…) und Mannequin zu fungieren, war das offenbar nur ein Vorgeschmack auf die neue 360°-Online-Strategie.

In New York bereitet man sich gerade auf die Modeschau vor, die erstmals Entwüfe des neuen Designers Andreas Melbostadt auf den Laufsteg bringen wird. Erklärtes Ziel der italienischen Marke (Flaggschiff von Renzo-Rossos-Modeimperium, zu dem auch Viktor & Rolf, Maison Martin Margiela und seit Kurzem auch Marni gehören) ist eine verstärkte Durchdringung des nordamerikanischen Marktes (Anmerkung: es ist ja eine willkommene Abwechslung, wenn einmal ein Konzern die Expansion in den USA explizit in den Mittelpunkt rückt – normalerweise hört man so was ja nur von China).

Aber zurück zu Hanneli und der 360°-Kommunikationsstrategie. In einer Aussendung ist zu lesen: „Fashion Week is no longer a reserved event, just for few lucky fashionistas„. Das hat sich ja wahrscheinlich schon herumgesprochen. Einfach nur die Show zu streamen, das reicht den Diesel-Kommunikationsstrategen aber nicht mehr, also werden auch zwei Kameras backstage postiert: Einmal kann man den Models beim Geschminktwerden zuschauen, einmal wird man sie im Bereich unmittelbar hinter dem Laufsteg sehen.

Ob man als Mannequin diesen Eingriff in die „Privatsphäre“ der Arbeit mitbekommt? Wahrscheinlich ist es wirklich völlig egal, ob da noch irgendwo eine Kamera aufgestellt ist. Meditative Introspektion findet anderswo statt.

Zu sehen ist das Ganze auf www.dieselblackgold.com, und auch auf den diversen Social-Media-Kanälen der Marke wird die Angelegenheit gespielt.

 

Vielseitig einsetzbar: Chloë Sevigny

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Vielseitig und multipel: Chloë Sevigny für Opening Ceremony, FW 13/14.

Es gibt wenige Ausdrücke, die ich, wenn sie in übertragenem Sinn gebraucht werden, so blöd finde wie „One-Stop-Shop“, auch wenn das Konzept der Vielseitigkeit und des Alles-an-einem-Ort-Vorfindens freilich besonders beliebt ist. Sei’s aber drum, denn Chloë (ich liebe die Mac-Tastatur übrigens dafür, dass sie mir ganz unkompliziert ein Trema übers „e“ spuckt, das sei hier auch mal erwähnt) Sevigny erweist sich im Mode-Werbe-Modelkontext, hier in New York, als eben so ein One-Stop-Shop für die Marke Opening Ceremony: sie designt, sie modelt, sie macht Werbung.

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Die gute Chloë also, Modemenschen etwa auch als Miu-Miu-Testimonial nicht unbekannt, durfte wieder einmal ran (sie hat nicht zum ersten Mal für das Label entworfen) – vor ein paar Tagen wurde ihre Herbst-Winter-Kollektion präsentiert. Von der inflationären Ausweitung des Begriffs „Creative Director“ war hier vor Kurzem ja schon die Rede, das Sevignysche Engagement für die New Yorker Kultmarke fällt ja wenigstens irgendwie in diese Kategorie.

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CS in einer eingeschränkteren Rolle, hier „nur“ die Werbeträgerin von Miu Miu.

Bleibt mir nur noch hinzuzufügen, dass ich weiterhin die Arbeit von Humberto Leon und Carol Lim (die beiden stehen hinter „Opening Ceremony“ als Concept-Store mit angehängter Modemarke)  für überbewertet halte, auch wenn mittlerweile der gesamte Modezirkus Lobeshymnen auf ihre frischen Impulse für Kenzo singt. Nun ja. Manchmal hat man eben eine andere Meinung. Und Meinungen sind ja auch nicht in Stein gemeißelt. Wenigstens, wenn sie die Ästhetik einer Modemarke betreffen, nicht wahr?

Unterhosen-Terminator

Courtesy Calvin Klein

Während der Taxifahrt vom New Yorker Flughafen nach Manhattan hat mich gestern fast der Schlag getroffen, weil dort nämlich (everything is so state-of-the-art…) auf einem in die Rückseite des Beifahrersitzes integrierten Flat-Screen der neueste Calvin Klein Unterwäsche-Werbespot gelaufen ist.

Premiere hatte der Spot bei der diesjährigen Superbowl, Regie führte Steven Klein, und im Zentrum steht die neue 360°-Technologie dieser Maschenware. Beziehungsweise, halt!

Im Zentrum (und darum hat mich ja auch der Schlag getroffen) steht natürlich das Model, Matthew Terry, der einen *Körper* hat, also einen *K*ö*r*p*e*r. Aber das ist natürlich sexistisch und unpassend, jetzt da nichts anderes zu bemerken. Also ein Schwenk auf die Ästhetik: Klein für Klein macht auf Riefenstahl meets Terminator, die schauspielerische Leistung (haha!) rettet aber alles.

Superkörperhunk Terry wird übrigens auch das Gesicht (!?) des neuen Calvin-Klein-Männerduftes „Dark Obsession“ sein, der im März erstmals vorgestellt wird. Also in den USA, bis er dann nach Europa segelt, dauert es bestimmt ein Weilchen.