Guyon für Schiaparelli: Freies Spiel

Seit das Maison Elsa Schiaparelli in Paris wiederbelebt wurde, verfolge ich die Enwticklung dieser einstigen „Belle endormie“ mit der größten Aufmerksamkeit. Eine erste Kollektion entwarf Christian Lacroix, auf ihn folgte Marco Zanini. Seit nunmehr vier Saisonen entwirft die Schiaparelli-Mode Bertrand Guyon. Er ist nun an einem Punkt angekommen, an dem er seine eigene Handschrift für die Marke entwickeln kann. Für das „Schaufenster“ habe ich ihn getroffen, im Interview sagte er etwa:

„Wenn ich mich zu weit weg bewege von den Codes der Schiaparelli, wird man mir vorwerfen, dass ich ihr Erbe nicht respektiere. Wenn ich zu nah an ihrer Ästhetik arbeite, wird man mir vorwerfen, dass ich nur mit Zitaten arbeite. Die Situation ist also ein wenig heikel. Und doch, mit der im Jänner vorgestellten Haute Couture habe ich meine vierte Kollektion für das Maison gezeigt, und damit war es auch möglich, mich aus dem reinen Zitiermodus herauszubewegen. „

Der ganze Text ist hier nachzulesen.

 

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Hot oder haute?

Für das „Presse Schaufenster“ war ich bei den Haute-Couture-Schauen in Paris, illustriert hat den Nachbericht Onka Allmayer-Beck. Über das (ungewöhnliche) Auftauchen einer Ready-to-wear-Show von Vetements in dem Zusammenhang:

Dass diese Kollektion ausgerechnet als Teil der Haute Couture gezeigt werden durfte, ist für die anderen Maisons wie ein Schlag ins Gesicht. Dient die Vetements-Kollektion doch allemal als erdende Kontrastfolie und wirft unweigerlich die Frage auf, ob das Wirklichkeitsentrückte der Haute Couture für heutiges Modeschaffen noch die leiseste Relevanz hat. Solange diese Königinnenroben aber zahlende Kundinnen ansprechen, ist zumindest ein Teil dieses Zweifels ausgeräumt.

Der ganze Text ist hier nachzulesen.

 

Marco De Vincenzo: „Wir erleben einen positiven Moment“

Für das „Presse Schaufenster“ habe ich mich in seinem Showroom in Paris mit dem jungen italienischen Designer Marco De Vincenzo unterhalten. Er ist bei Fendi für Accessoires zuständig und hat nebenher in den letzten Jahren – mit Beiteiligung von LVMH – erfolgreich seine eigene Marke aufgebaut. Im Interview sagt er unter anderem:

Zwischen den extremen Polen der Mode kann heute etwas Neues entstehen, es gibt sehr viel Spielraum, der sich nicht zuletzt zwischen den Metropolen Paris und Mailand aufmacht. Denn vergessen wir nicht, dass die Geschichte, die Alessandro Michele bei Gucci erzählt, eine sehr italienische ist, mit ihrer großen Opulenz und Überladenheit. Aber noch einmal. Dass in der Mode heute wieder so extrem entgegengesetzte Positionen existieren und jede auf ihre Weise erfolgreich sein kann, ist ein gutes Zeichen für die Flexibilität des Systems.

Das ganze Interview ist hier nachzulesen.

Karl ist der Mode Oscar

Karlism

Wer sich, wie ich zum Beispiel, regelmäßig auf die Suche nach einem möglichst originellen, nicht zu langen, prägnanten und pointierten Zitat macht (in meinem Fall geht es darum, ein Bonmot zu finden, das auf der letzten Seite des „Schaufenster“ der „Presse“ Platz findet, nebst einer passenden Illustration von Nina Ober), der geht früher oder später auf Tuchfühlung mit der beträchtlichen Gesamtmasse der Online-Zitatesammlungen.

Immer wieder erstaunlich – das nur eine Bemerkung am Rande: In Frankreich mussten Gymnasiasten ja früher (und wahrscheinlich müssen sie es noch) ihr Hirn mit Aussprüchen der großen Denker des Hexagons ausstaffieren, um sie auswendig in ihren Essays unterbringen zu können. Hmpf.

Nun jedenfalls ist bekanntermaßen ein häufig wiederkehrender Bonmotspender der großartige Oscar Wilde (gerne auch auftauchend in Ildefonso-Würfeln und den Zitat-Beipackzetteln der Baci-Pralinchen) – anzunehmenderweise ist er ob dieser frequenten Zitabilität (?) auch vielen Menschen ein Begriff, die im Leben noch kein Buch von ihm in der Hand hielten.

Der Mode Oscar ist, das liegt auf der Hand, nun zweifellos Karl Lagerfeld. Der guten Coco Chanel nacheifernd, die ja ihrerseits gerne in der Rubrik Mode/Stilbewusstsein/Luxus Eingang in Zitatemischungen findet, lässt Herr L. es munter und unentwegt in drei bis vier Sprachen vor sich hinplätschern, pointentechnisch.

Konsequenterweise wurde auf der Homepage Karl.com die Rubrik „Karlism“ (!) eingerichtet, die ausschließlich mit Lagerfeld-Bonmots, also eben den „Karlismen“, befüllt wurde. Eine Fundgrube für zitathungrige Modeaficionados? Mag sein, doch irgendwie des Personenkults doch deutlich zu viel.

Mit Bienenfleiß


In den letzten Tagen ist es in Wien-Tuchlauben ja wieder einmal ziemlich (luxuriös) rundgegangen, Stichwort: „Louis Vuitton Global Store“ und Goldenes Quartier, und sowieso. Die Eröffnung nämlich, und der Ausblick auf noch viele andere Eröffnungen. Ganz so voll wie bei Emporio Armani zuletzt war es „chez Vuitton“ zum Glück nicht, man konnte also atmen, ich persönlich habe nur die Press-Preview besucht und bin dem samstäglichen Cocktail aus Erschöpfungsgründen ferngeblieben.

Der Fokus auf Louis Vuitton war jedenfalls auch für uns in der Zeitung Anlass für einen Artikel über die CSR-Strategie des Unternehmens, passend zu unserer letzten „Green Issue“. Ich habe mir im Speziellen die Bienenstöcke angesehen und mich darüber mit Geoffroy van Raemdonck, Präsident für den Geschäftsbereich Südeuropa, unterhalten. Hier gibt es den ganzen Text. Herr van Raemdonck ist übrigens eine ausgesprochen aparte Erscheinung, „comes with the job“, vermute ich (oder umgekehrt?).

Und wenn die Vuitton-Bienenstöcke schon „auf den Dächern“ von Paris stehen, dann sind sie doch zugleich „sous le ciel de Paris“ und darum ganz und gar Piaf-kompatibel.