Duftende Divas

Unlängst habe ich mich in meiner „Riechstoff“-Kolumne über das, ich fand das ganz hübsch betitelt, „Celebrity Fragrance Death Match“ von Madonna und Lady Gaga ausgelassen. Während Madonna sich erstaunlich unverblümt mit einem Omaduft zu ihrer Zugehörigkeit zur Generation der Nichtmehrganzjungen (ich meide freundlicherweise das Unwort „Silver Ager“, um Madonna diverse Infarkte zu erspraren) bekennt, kommt die Queere-Popkultur-Pionierin mit einem unsäglich faden Gebräu daher. Ihre zig Millionen Fans stellen sich nasentaub.

Visualtechnisch mag die, hier von Nick Knight abgelichtete, Lady Gaga die Nase vorn haben (sic!), in Duftdingen aber, und das zählt doch bei einem Parfum, tatsächlich eher nicht…

Der Gerechtigkeit halber durfte in meinem „Riechstoff“ übrigens auch ein süßes Gesüffel von Christina Aguilera eine Rolle spielen – freilich keine wichtige, das wäre nicht zu begründen gewesen.

Wer riecht also besser, und was gibt es sonst noch so zu sagen, über die in diesem Jahr lancierten Duftheuheiten „Truth or Dare“ und „Fame“? Zum Weiterlesen, bitte hier entlang.

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Geschnittene Gesichter

Weihnachtsgeschenksuchebedingt und vorgeschlagenbekommenkausal (pfuh!) bin ich auf den Facemaker von Miller Goodman gestoßen, den es beim klein-fein-oho’en Süper Store auch online zu kaufen gibt.

Laut Händler wurde das Holzklotzgesichtspuzzle (heute habe ich es aber mit den Mots-Valise…) für den British Design Award 2012 nominiert.

Nun weiß ich zwar nicht, ob der British Design Award ählich inflationär funktioniert wie der Red Dot Award (ganz unverbindlich und auch -verblümt gesagt), der Facemaker jedoch ist ein jedenfalls nettes Designgadget mit gar nicht schlechtem Schenkbarkeitsfaktor. Oder?

Ah ja, zu kaufen, eben, ich sage das aus Leserservice-Gründen, ganz wichtig, gibt es ihn, um 42 Euro exklusive Versandkosten, hier.

 

Kalt riecht rosa!

So, da hätten wir also das Schlamassel. Einen Duft, der die Möglichkeit des Riech-Checks mangels Verfügbarkeit nicht eröffnet, kann ich ja wohl schlecht in die „So riecht Kalt“-Rubrik einreihen, oder?

Macht ja nix, berichte ich also über das bloße (und an sich schon erwähnenswerte Vorhandensein) von dem brandneuen Duft von Nicki Minaj, „Pink Friday“.

Der Werbespot lässt immerhin schon Übles ahnen, dass die Lizenz von Elizabeth Arden gekauft wurde, heißt leider auch nicht viel. Auf einen Remix von „Red Door“ stelle ich mich sicherheitshalber jedenfalls nicht ein (Klarheit gewünscht? ich mag Red Door sehr!).

Der Flakon ist ja irgendwie ein Medley aus Jean-Paul-Gaultier-Klassikern und, ähm, Barbie!? (Hat Barbie einen Signature Duft? Aber sicher doch.) Ich ahne pure Chemie (okay, das ist so üblich), die sich keineswegs irgendwie verstellen wird wollen.

Wonach riecht Zuckerwatte? Die Schnittmenge dürfte groß sein.

Frau Minaj plant aber vielleicht Großes. Immerhin gibt es eine vollmundig mit „Nicki Minaj Beauty“ überschriebene Homepage. Ich befürchte – trotz Blind- bzw. Anosmietest – in diesem Fall das Schlimmste. Ein Gestank kommt selten allein.

 

Yoko? Oh no!


Hm. Wie sag ich’s bloß? Also, eingangs halte ich einmal fest: Über Geschmack lässt sich nicht streiten (das ist nicht ganz originell, stimmt aber – die Franzosen sind ja noch blumiger [no-na] und sagen gleich: Über Geschmäcker und über Farben streitet man nicht. Jawohl!). Und: Eine jede Schachtel findet ihren Deckel, somit auch viele Konsumgüter potentielle Abnehmer. Und die Yoko Ono ist ja eine Künstlerin, da darf sie sich schon was leisten, so ästhetisch und progressiv.

Darum hat sie jetzt Männermode gemacht (also, „darum“ ist eigentlich falsch, aber das ist in diesem Kontext jetzt schon eher wurscht). Einladen tat sie (schon wieder was Falsches, man sieht schon – ich formuliere unglücklich, heute) das New Yorker Label „Opening Ceremony“. Die Betreiber entwerfen übrigens gerade unglaublich gehypte und meiner Meinung nach auch recht scheußliche Mode für Kenzo – Kenzo hat ja auch was mit Japan zu tun, also hat-te.

Und, ähm, ach ja, die Mode von Yoko. Vielleicht gefällt’s ja wem. Praktisch ist in jedem Fall auch hier der „Fashion Film“ (schicker für „Video“), der schaut nämlich nach einer Mischung aus La Linea und Keith Haring aus – und ist zwar auch nicht schön, aber immerhin wenigstens, nun ja, abstrakt.

Tja, ach ja, und dann eben noch… – die Mode. Nun ja. Ja, nicht? Das hat ja schon, also, da ist schon was dran, irgendwie, also so rein inhaltlich gesehen. Sonst ja eher weniger. Oder wie?

Ein ideales Weihnachtsgeschenk für den stilbewussten Mann.
Ob Krawattenersatz für Vati oder Christbaumschmuck, passt immer!

Eine andere japanische Künstlerin hat 2012 übrigens auch schon Mode gemacht. Die Louis-Vuitton-Kollektion von Yayoi Kusama war aber nachgerade ein Balsam für die Netzhaut, im Vergleich.

Die Modedirektion

Mode kann Geschichten erzählen, von allem, das in der Welt passiert„, meint Anna Wintour. Und in einem größeren, weiteren Sinn hat sie bestimmt auch recht (die gute Frau ist ja nicht umsonst die mächtigste Medienmacherin in einem milliardenschweren Business – talentbefreite Menschen kommen zwar manchmal recht weit, nicht aber an die Spitze des Condé-Nast-Publishing-Flagschiffs, würde ich jetzt mal etwas pathetisch anmerken).

Eben, also, Mode und Gesellschaft, Spiegel und Einflussnahme, hin und her. Und die Stylisten, also im Englischen noch schöner die „Fashion Directors“, sind da, so Wintour, ihre „secret weapon“. Diese Geheimwaffe hat sich nun also der Sender HBO vorgeknöpft, der bekanntermaßen für ein paar der größten Serienerfolge der letzten Jahre zuständig war.

Man mag es kaum glauben, dass diese Damen tatsächlich in so großen Zusammenhängen und gesamtgesellschaftlichen Maßstäben zu denken imstande sein sollen.

Am 6. Dezember wird die Doku „In Vogue: The Editor’s Eye“ erstmals ausgestrahlt – es ist davon auszugehen, dass das Internet relativ schnell von hier einem Fetzchen, da einem Fetzchen, durchdrungen sein wird.

Darf ich noch etwas anmerken? Wenn ich mir so anhöre, was die Damen in diesem Trailer-Schnelldurchlauf zu sagen haben, dann bin ich doch ganz froh, dass die Chefredakteurin der US-Vogue aus Journalistenholz geschnitzt ist. Des Inhalts ihrer Zeitschrift wegen, in erster Linie. Denn davon, also eben auch in puncto gute Magazingeschichten, gibt es in der US-Ausgabe des Magazins ja gar nicht so wenig (vielleicht bietet sich ein andermal Gelegenheit, vom deutschen Pendant zu sprechen… ich sage nur: das Vogue-Doppelinterview…).

Hohe Schreibkultur

Jetzt hätte ich natürlich gerne ein Zitat parat, um zu illustrieren, wie ungemein wichtig das Hochhalten von (handschriftlich betriebener) Schreibkultur ist und wie schön zu sehen, dass Menschen weiterhin von Hand Notizen zu Papier bringen.

Wer kein Tagebuch schreibt, kommt ja vielleicht gar nicht so oft dazu, sich über den Einkaufszettel hinausgehende Notizen zu machen. Ich will es aber auch nicht unbedingt übertreiben mit dem schriftkulturellen Herumgerede, jedenfalls finde ich persönlich das Faber-Castell-Schreibset (erhältlich um circa 1000 Euro) gar nicht hässlich.

Ein Schreibtisch-Candy quasi, für alle, die sich ein „analoges“ Bureau leisten und den üblicherweise für Notebooks vorgesehenen Platz lieber einer Schreibunterlage widmen wollen.

Auf Papier gesetzt

Ich habe gerade wieder ein bisschen im Netz herumgesucht (wir wissen ja: Online-Weihnachtsshopping sollte tunlichst nicht in ganz allerletzter Sekunde abgewickelt werden, immerhin drohen Wetterkatastrophen, die zu erheblichen Lieferschwierigkeiten führen können) und bin dabei auf die nicht gerade neuen, doch weiterhin sehr schönen Papiertaschen von Saskia und Stefan Diez gestoßen.

Diese wunderbar puristischen Accessoires firmieren gemeinhin, wahrscheinlich aus Gründen der „Catchiness“, als „papieren“, bestehen in Wahrheit aber aus Tyvek® (fühlt sich wunderbar korrekt an, so ein ® im Vorbeigehen einzustreuen, übrigens). Dabei handelt es sich um eine Kunstfaser, die so neu gar nicht ist und von DuPont patentiert wurde.

Wieder einmal ein schlagender Beweis für den ohnehin gern hochgehaltenen Umstand, dass, wenn auf formaler Ebene nicht mehr gar so viel geht, Materialinnovation als kompensatorisches Momentum herhalten darf, soll und muss.

Fazit? „I like“, wie es so schön im Facebook-Sprech heißt, sprachübergreifend nämlich.

Schick mit Scheitel

Glücklicherweise erstreckt sich das Feld der, da haben wir es wieder, „Capsule Collections“ schon längst über die engen Grenzen der Mode hinaus bis in die Untiefen der Kosmetikindustrie hinein. Auch hier wird gern „collaborated“ (wenn ich im Deutschen von „Kollaboration“ lese, wird mir übrigens immer ganz übel – darum), die großen Konzerne holen sich kreative Namen ins Boot.

L’Oréal zum Beispiel macht für eine Sonderedition eines „Professionnel“-Haarsprays jetzt mit Charlie Le Mindu gemeinsame Sache, was alle Menschen mit ausreichend üppigem und dichten Haarwuchs und obendrein Mut zu unkonventionellem Auftreten sehr freuen dürfte.

Das Döschen ist übrigens auch ganz nett. So als „Badezimmer-Candy“, oder wie man sagt.

Hier noch der Link zu einem bei dem A Shaded View of Fashion Film Festival (allen Ernstes mit FFF, ASVOFFF?) gelaufenen Showvideo, in dem auch die fantabulöse Rossy de Palma vorkommen darf. Das hat zwar mit dem Haarspray nur mehr am Rande zu tun, aber eben gerade darum.

CHARLIE LE MINDU / FEAT. ROSSY DE PALMA / ASVOFF from S.PL on Vimeo.

Strick im Netz

Die in Paris lebende, aus Österreich stammende Designerin Michaela Bürger ist gleichermaßen umtriebig wie arbeitswütig und vielseitig: Schon in Wien hat sie ein Kostümbild- und ein Modestudium parallel absolviert, in Paris betreibt sie (ohne jede finanzielle Unterstützung) ihr eigenes Label, entwirft für das traditionelle Maison Fabre Handschuhe, macht schon einmal mit Anne-Valérie Hash oder Mühlbauer-Hüte gemeinsame Sache und stattet nebenbei noch das eine oder andere Tanz- oder Theaterstück aus.

Vor Kurzem ist sie mit ihrem eigenen Onlineshop „live“ gegangen, was all jene Endverbraucher freuen wird, die ein Faible für ausgefallene Strick- und Häkelteile haben.

Höhere Portraitkunst

 

Die Stimmung bei einer Portrait(foto)session hängt natürlich immer ein wenig vom Narzissmusgrad des zu Portraitierenden ab. Ich persönlich bin gemeinhin nicht der größtmögliche Fan des Fotografiertwerdens, wobei ausreichende soziale Kompetenz der/s Fotografin/en die Situation erheblich erleichtern kann.

Zurückdenkend an ferne Kindheitstage, als (in meinem Fall) von Digitalfotografie und 1-2-3-Vorschauansichten noch nicht die Rede sein konnte, kommen mir auch aufwendige Studioaufbauten und -inszenierungen in den Sinn.

Mit solchen will jetzt offenbar das Wiener Fotografinnenduo „Katsey“, das sind Barbara Seyr und Theresia Katona, wieder punkten. Sie starten als ihr neues Projekt den „mobilen Fotosalon“. Das Prinzip: Zu vorgegebenem Zeitpunkt an fixem Ort warten sie auf eine Schar von Menschen, die sich angemeldet haben und, zum Beispiel, Weihnachtskarten mit ihrem Konterfei produzieren lassen wollen. Dann macht es Klick-Klick, und nach ein paar Tagen ist das qualitativ hochwertige Porträtprodukt fix und fertig.

Details über den Fotosalon gibt es auf der Website, die nächsten Sessions finden am 1., 5. und 15. Dezember statt – angefertigt werden Weihnachtskarten, Familienporträts und Kinderporträts.

Schön und vielversprechend, finde ich.

(Barbara Seyr, li. und Theresia Katona)