VETEMENTS: Kokettieren mit dem Normalen

Für einen großen Artikel im „Schaufenster“ habe ich mir – nicht gerade als Erster, je l’avoue bien – Gedanken über das Pariser (pardon: Zürcher…) Modephänomen VETEMENTS gemacht. Dieses Kokettieren mit einem Bild der absoluten Normalität, bei gleichzeitigem Imagetransfer und Kontextverschiebung in den Luxussektor, gehört fraglos zu den interessantren Erscheinungen im aktuellen Modesystem.

Was ich da unternehme, ist unter anderem eine Lesart von Vetements im Sinne der Postironie nach Alex Shakar. Schließlich bleibt oft genug Modeexperten nach einem Defilee des „Kollektivs“ (the word…!) um Gvasalia die Frage im Halse stecken: „Kann das ernst gemeint sein?“ Umso erstaunlicher, dass – ein bisschen muss man an „Des Kaisers neue Kleider“ denken, die wichtigsten Fashion-Insider derzeit alles von Gvasalia, ob bei Balenciaga oder bei Vetements, quasi bedenkenlos als wichtigste Impulse der Avantgarde übernehmen.

Die ästhetischen Vorschläge von Vetements lassen sich somit als dual lesbarer (im Sinne des Antagonismus: Affirmation vs. Absage) und eben postironischer Kommentar zu den Dresscodes jener Fashion-Insider lesen, deren nonchalanter, für Uneingeweihte oft nahezu vernachlässigt wirkender Look aufgegriffen und einem vorbehaltlosen Upmarketing-Prozess unterzogen wird. Das Ganze verläuft aber nicht ohne einen Des-Kaisers-neue-Kleider-Effekt: Rasch wirken nämlich diese Vetements (oder eben „vêtements“) deplatziert oder machen sich als Fremdkörper am Träger aus, wenn dieser nicht die richtige Grundhaltung mitbringt. Auch dass sich bestimmte Vertreter des Fashion-Establishments im Umfeld von Vetements als Eindringlinge in einen fremden Kosmos ausmachen, ist bezeichnend.

Der ganze Text ist hier nachzulesen.

 

 

„Ich bin ja noch ganz am Anfang“

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Foto: Katsey für Die Presse Schaufenster

Vor nicht einmal einem Jahr habe ich Miriam Fussenegger für eine Coverstory in der Salzburg-Spezialausgabe des „Presse Schaufenster“ getroffen. Damals stand Miriam vor ihrem ersten Auftritt bei den Salzburger Festspielen, vor wenigen Tagen wurde sie als neue „Buhlschaft“ vorgestellt. Das nenne ich einen raschen Aufstieg in der Festspielstadt.

Miriams letzter Satz in unserem Gespräch, als ich sie fragte, wie sehr sie sich denn als Person mit potenziell großem Bekanntheitsgrad auch abseits der Bühne in einer Repräsentationsrolle sehe, wird wohl sehr schnell ad acta gelegt werden müssen:

„Realistischerweise denk ich mir, was soll ich schon groß repräsentieren; ich bin ja noch ganz am Anfang. Ich finde es zum Beispiel fast befremdlich, wenn mich jemand um ein Autogramm bittet.“