VETEMENTS: Kokettieren mit dem Normalen

Für einen großen Artikel im „Schaufenster“ habe ich mir – nicht gerade als Erster, je l’avoue bien – Gedanken über das Pariser (pardon: Zürcher…) Modephänomen VETEMENTS gemacht. Dieses Kokettieren mit einem Bild der absoluten Normalität, bei gleichzeitigem Imagetransfer und Kontextverschiebung in den Luxussektor, gehört fraglos zu den interessantren Erscheinungen im aktuellen Modesystem.

Was ich da unternehme, ist unter anderem eine Lesart von Vetements im Sinne der Postironie nach Alex Shakar. Schließlich bleibt oft genug Modeexperten nach einem Defilee des „Kollektivs“ (the word…!) um Gvasalia die Frage im Halse stecken: „Kann das ernst gemeint sein?“ Umso erstaunlicher, dass – ein bisschen muss man an „Des Kaisers neue Kleider“ denken, die wichtigsten Fashion-Insider derzeit alles von Gvasalia, ob bei Balenciaga oder bei Vetements, quasi bedenkenlos als wichtigste Impulse der Avantgarde übernehmen.

Die ästhetischen Vorschläge von Vetements lassen sich somit als dual lesbarer (im Sinne des Antagonismus: Affirmation vs. Absage) und eben postironischer Kommentar zu den Dresscodes jener Fashion-Insider lesen, deren nonchalanter, für Uneingeweihte oft nahezu vernachlässigt wirkender Look aufgegriffen und einem vorbehaltlosen Upmarketing-Prozess unterzogen wird. Das Ganze verläuft aber nicht ohne einen Des-Kaisers-neue-Kleider-Effekt: Rasch wirken nämlich diese Vetements (oder eben „vêtements“) deplatziert oder machen sich als Fremdkörper am Träger aus, wenn dieser nicht die richtige Grundhaltung mitbringt. Auch dass sich bestimmte Vertreter des Fashion-Establishments im Umfeld von Vetements als Eindringlinge in einen fremden Kosmos ausmachen, ist bezeichnend.

Der ganze Text ist hier nachzulesen.

 

 

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Guyon für Schiaparelli: Freies Spiel

Seit das Maison Elsa Schiaparelli in Paris wiederbelebt wurde, verfolge ich die Enwticklung dieser einstigen „Belle endormie“ mit der größten Aufmerksamkeit. Eine erste Kollektion entwarf Christian Lacroix, auf ihn folgte Marco Zanini. Seit nunmehr vier Saisonen entwirft die Schiaparelli-Mode Bertrand Guyon. Er ist nun an einem Punkt angekommen, an dem er seine eigene Handschrift für die Marke entwickeln kann. Für das „Schaufenster“ habe ich ihn getroffen, im Interview sagte er etwa:

„Wenn ich mich zu weit weg bewege von den Codes der Schiaparelli, wird man mir vorwerfen, dass ich ihr Erbe nicht respektiere. Wenn ich zu nah an ihrer Ästhetik arbeite, wird man mir vorwerfen, dass ich nur mit Zitaten arbeite. Die Situation ist also ein wenig heikel. Und doch, mit der im Jänner vorgestellten Haute Couture habe ich meine vierte Kollektion für das Maison gezeigt, und damit war es auch möglich, mich aus dem reinen Zitiermodus herauszubewegen. „

Der ganze Text ist hier nachzulesen.

 

Marco De Vincenzo: „Wir erleben einen positiven Moment“

Für das „Presse Schaufenster“ habe ich mich in seinem Showroom in Paris mit dem jungen italienischen Designer Marco De Vincenzo unterhalten. Er ist bei Fendi für Accessoires zuständig und hat nebenher in den letzten Jahren – mit Beiteiligung von LVMH – erfolgreich seine eigene Marke aufgebaut. Im Interview sagt er unter anderem:

Zwischen den extremen Polen der Mode kann heute etwas Neues entstehen, es gibt sehr viel Spielraum, der sich nicht zuletzt zwischen den Metropolen Paris und Mailand aufmacht. Denn vergessen wir nicht, dass die Geschichte, die Alessandro Michele bei Gucci erzählt, eine sehr italienische ist, mit ihrer großen Opulenz und Überladenheit. Aber noch einmal. Dass in der Mode heute wieder so extrem entgegengesetzte Positionen existieren und jede auf ihre Weise erfolgreich sein kann, ist ein gutes Zeichen für die Flexibilität des Systems.

Das ganze Interview ist hier nachzulesen.