Wo eine Hand, da Nagellack

iphonecover

Und wo ein Handy, da Nagellacky? Man sollte es vielleicht mit den Analogien nicht übertreiben. In jedem Falle gibt es in dem Etsy-Shop „The Custom Art“ den passenden Lack für das Handy zu kaufen, daher kommen tut er in einer Chanel-Ästhetik. Ich frage mich, ob die Lizenznahme dieses Aussehens eine besonders heikle war, vielleicht läuft es für den (in Hongkong registrierten…) Anbieter ja auch unter „Nagel-Kunst“. Praktisch übrigens auch für Männer, die endlich an der allgegenwärtigen Nagellack-Frenzy teilhaben wollen.

Karl ist der Mode Oscar

Karlism

Wer sich, wie ich zum Beispiel, regelmäßig auf die Suche nach einem möglichst originellen, nicht zu langen, prägnanten und pointierten Zitat macht (in meinem Fall geht es darum, ein Bonmot zu finden, das auf der letzten Seite des „Schaufenster“ der „Presse“ Platz findet, nebst einer passenden Illustration von Nina Ober), der geht früher oder später auf Tuchfühlung mit der beträchtlichen Gesamtmasse der Online-Zitatesammlungen.

Immer wieder erstaunlich – das nur eine Bemerkung am Rande: In Frankreich mussten Gymnasiasten ja früher (und wahrscheinlich müssen sie es noch) ihr Hirn mit Aussprüchen der großen Denker des Hexagons ausstaffieren, um sie auswendig in ihren Essays unterbringen zu können. Hmpf.

Nun jedenfalls ist bekanntermaßen ein häufig wiederkehrender Bonmotspender der großartige Oscar Wilde (gerne auch auftauchend in Ildefonso-Würfeln und den Zitat-Beipackzetteln der Baci-Pralinchen) – anzunehmenderweise ist er ob dieser frequenten Zitabilität (?) auch vielen Menschen ein Begriff, die im Leben noch kein Buch von ihm in der Hand hielten.

Der Mode Oscar ist, das liegt auf der Hand, nun zweifellos Karl Lagerfeld. Der guten Coco Chanel nacheifernd, die ja ihrerseits gerne in der Rubrik Mode/Stilbewusstsein/Luxus Eingang in Zitatemischungen findet, lässt Herr L. es munter und unentwegt in drei bis vier Sprachen vor sich hinplätschern, pointentechnisch.

Konsequenterweise wurde auf der Homepage Karl.com die Rubrik „Karlism“ (!) eingerichtet, die ausschließlich mit Lagerfeld-Bonmots, also eben den „Karlismen“, befüllt wurde. Eine Fundgrube für zitathungrige Modeaficionados? Mag sein, doch irgendwie des Personenkults doch deutlich zu viel.

Kunst und Katz‘

katzenjammer

Letzte Woche war ich ja auf Stippvisite in Berlin, also natürlich auch im Zelt am Pariser Platz und so weiter, aber eben auch ein bisschen in der Stadt unterwegs (eine Bemerkung am Rande: in der Stadt schmeckt/riecht die Berliner Luft besser als in ihrer abgestandenen Zelt-Form). Mein Hotel war an der Oranienburger Straße, und damit unweit von C|O Berlin, dem „International Forum for Visual Dialogues“ gelegen; im Vorübergehen bemerkte ich das Poster der erst am 19. 1. eröffneten Christer-Strömholm-Retrospektive, die ich also noch nicht besuchen konnte und doch Fotografiefreunden wärmstens ans Herz lege (siehe die Strömholm-Website für einen groben Überblick seiner Arbeit).

Das Visual, das für das Plakat ausgewählt wurde, erinnert mich ja nun ziemlich stark an das ach-so-skandalträchtige Bild, das die deutsche Fotografin Mona Hahn vor ein paar Saisonen für Mühlbauer-Hüte inszenierte (siehe oben, die Gegenüberstellung der beiden jammernden Katzen). Damals war das Geschrei ja groß, von Tierquälerei war gar die Rede (man sah sich sogar veranlasst, ein gemeinsames Statement herauszugeben – mein lieber Schwan!).

Mich würde es ja fast interessieren, ob Passanten in Berlin ähnlich auf die Ankündigung der Strömholm-Retrospektive reagieren wie weiland die Wiener Tierschützer „slash“ Modeaficionados. Denn eben dieses Protestpotenzial ist ja wohl in Berlin genauso gegeben wie in Wien. Aber vielleicht funktioniert „Kunstfotografie“ in der öffentlichen Meinung ja nochmal anders als die (kommerzielle) Modefotografie – auch wenn das Anliegen der Mühlbauers ohnehin ist, für ihre Poster Kunstwerke in Auftrag zu geben.

Fürderhin wäre es, in derselben Denkrichtung, auch spannend nachzuvollziehen, ob die Reaktion auf die Hahn-Mühlbauer-Kooperation eine andere gewesen wäre, hätte man das Sujet als einen Verweis auf/Zitat von Christer Strömholms Arbeit ausgewiesen (so es sich denn um ein Zitat handelt, und nicht um eine zufällige Ähnlichkeit). Wahrscheinlich hätte es aber keinen Unterschied gemacht, weil der erste visuelle (Schock)Eindruck dominant bleiben dürfte, aufseiten der Rezipienten.

Na jedenfalls, eigentlich ist das ja ein Ausstellungstipp – „Post Scriptum“ von Christer Strömholm ist noch bis Anfang März in Berlin zu sehen.

Und ein Mühlbauer-Plakatmotiv gibt es auch schon bald wieder zu sehen. Ich habe es gerade vor mir liegen – und finde es ganz wunderbar. Mehr darüber, bald.

Verschmuste Typen

Es handelt sich, entgegen anders lautenden Angaben, bei den Küssenden nicht um Siggi Hofer und Peter Holzinger. Schön ist das Bild trotzdem, gemacht hat es Selina de Beauclair
Edit: Es handelt sich, entgegen ursprünglichen Angaben des offenbar mit Tomaten auf den Augen gesegneten Verfassers, der ja mit den Herren Hofer und Holzinger persönlich bekannt ist und diese also erkennen sollte, sehr wohl um Peter Hol. (li) und Siggi Hof. (re). Mes excuses !

Was sind wir – also ich spreche natürlich von homosexuellen Männern – doch wortgewaltig. Einer meiner präferierten Demo-Slogan-Klassiker ist ja „Wir bleiben unserem Grundsatz treu: Schwul, pervers und arbeitsscheu“, der mir zum ersten Mal im Zusammenhang mit Ronald M. Schernikau (entweder in einem Buch von ihm oder der nur phasenweise gelungenen Biographie von Matthias Frings, „Der letzte Kommunist“, das weiß ich jetzt nicht so genau) untergekommen ist.

Eine andere Catchphrase, die von einer Schwulendemo in Wien aus dem Jahr 1984 stammen soll, haben sich jetzt der Südtiroler Künstler Siggi Hofer und Modedesigner Peter Holzinger, unterstützt von Fotografin Selina de Beauclair, vorgenommen: „Männer sollen Männer küssen, anstatt Männer töten müssen.“

Das hat nun wirklich etwas Schönes, Wahres und Gutes – und passt außerdem ausgezeichnet zur Wehrpflichtabschaffungs-Volksbefragung, die dieser Tage stattfindet (an dieser Stelle ein kleiner Aufruf: hingehen, teilnehmen).

Die künstlerische Intervention „männer küssen“ nun also, veranstaltet von Hofer und Holzinger, findet am 24. Jänner im Samstag Shop statt (ab 19 Uhr, Margaretenstraße 46, 1040 Wien).

Berliner Klasse

Hien Le, court. of Hien Le

Also, immer diese Ereignis-Häufungen, ich muss schon sagen… Nicht genug, dass ich gerade selbst ganz unmodisch in München unterwegs war, um mir dort Birgit Minichmayr als eine großartige Hedda Gabler in einer etwas klamaukhaften Inszenierung von Kusej anzuschauen (aber das ist *nun wirklich* eine andere Geschichte) und dass gerade in heiterster Manier die Männermodewochen losgehen, nein, anderswo läuft auch noch die Berlin Fashion Week vom Stapel. Man hat ja nun in den letzten Jahren einiges über die Veranstaltung gehört; deutsche Presseagenturen zum Beispiel meinen, sie seien auf jeden Fall vor Ort, weil es doch die gesamte deutsche Presse anzutreffen gebe und man auch noch miteinander Party machen kann. Ist doch schön, oder?

Naaa gut. Verkaufstechnisch, das hört man jetzt wieder von Designerseite, läuft es ja in Berlin nicht so unglaublich toll; auf der Bread and Butter werden zwar Order geschrieben, die Premium scheint aber schon etwas weniger erfolgbeflügelnd zu sein, und die „Side Venues“ haben dann endgültig eher Partycharakter – angeblich.

Stefan Siegel von Not Just A Label meinte eja einmal, dass er „seinen“ Designern überhaupt eher zu Kopenhagen als zu Berlin raten würde. Sei’s drum, Berlin ist bekanntlich auf jeden Fall SEXY, und die Lokalmatadoren haben natürlich auf alle Fälle etwas davon, dass sie sich ins Rampenlicht der Öffentlichkeit begeben können (das Medieninteresse ist ja groß; und die gute Frau Arp spielt mittlerweile ja auch Jungdesigner-Schutzpatronin – wie rührend…).

Und wenn die Bestellungen dann eben in Paris bestätigt werden, sei es doch drum, oder?

(c) Amos Fricke

So, eigentlich wollte ich aber von etwas ganz anderem schreiben – nämlich von der ersten Runway-Show (als Teil des offiziellen Kalenders) eines der talentiertesten Berliner Jungdesigner; man sieht schon, ich bin so aufgeregt, dass ich Schacthelsätze konstruiere. Die unaufgeregte Eleganz und offenbar gänzlich ungezwungene, weil immer stimmige, Stilsicherheit von, tatatatta!, Hien Le sind wirklich allerhand.

Die ideale Mischung für Purismusaficionados, würde ich sagen (Anne von blica müsste Hiens Mode eigentlich ganz toll finden, mutmaße ich jetzt mal). Und alles ganz ohne Fadesse-Gefahr.

In seinem Berliner (Heimat)Umfeld ist Hien längst bekannt wie ein bunter Hund, und auch international hat er längst die Fühlerchen ausgestreckt – wann immer ich ein bisschen Zeit abzwacken kann, schaue ich in Paris gerne auf der jeweiligen Trade-Show vorbei, wo Hien (ehemaliger Agentur-V-Mitarbeiter, übrigens) seine Kollektionen zeigt. Dass er am Dienstagvormittag die erste Catwalk-Show zeigen darf, möge ihm ähnlich viel Glück bringen wie Modelkarrieren vom Eröffnen einer Modeschau beflügelt werden. Und überhaupt… ich bin natürlich schon sehr, sehr gespannt, was Hien sich für Winter 2013 ausgedacht hat – bestimmt spielt er wieder einmal in einer Klasse für sich.

(c) Amos Fricke
alle Bilder courtesy of Hien Le

Punktlandung

(c) Marni

Man kann es drehen und wenden, wie und solange man will: Sonderlich originelle Headlines mit „Punkt“ werden kaum auffindbar sein. Wer mit Mode zu tun hat und darüber schreibt, hat dank Marc Jacobs und, zuletzt als Gastkünstlerin für Louis Vuitton tätig, Yayoj Kusama, ohnehin schon alles Gepunktete aus sich herausgeklaubt. Und jetzt setzt auch noch Marni nach, mit hauseigenen Polka-Dot-Taschen, die den „Spirit der Sommerkollektion“ einfangen sollen, oder refklektieren, oder was weiß ich. Marni also.

Ohnehin kann man nur gespannt ab- und erwarten, wie es weitergeht. Herr „Don’t Call Me Diesel“ Rosso hat ja, wie kurz vor Weihnachten bekannt wurde, einen Mehrheitsanteil an diesem Modehaus übernommen. Eigentlich nur logisch, hatte man doch im Hause Castiglioni kurz davor ohnehin mit H&M kooperiert. Und der Bogen lässt sich mühelos weiterspannen – schließlich fand die letzte H&M-High-End-Kooperation auch mit der Rosso-Marke Margiela statt. Wann schlucken sich also Diesel und H&M gegenseitig, frage ich an dieser Stelle und komme damit auch irgendwie „auf den Punkt“.

Alles Kugerl? Goldrichtig!

(c) Sabine Karner
Die modische Interpretation der Ferrero-Kugerl von Sabine Karner

Um es abzukürzen: Was der internationalen Glamour-Red-Carpet-Gesellschaft Veranstaltungen wie die Oscars oder der Grammy sind, das ist dem etwas beschaulicheren Wiener Trott der Opernball. Spätestens einen Monat vor der Veranstaltung geht es los, und Pressevertreter werden mit Aussendungen zu allen erdenklichen Nebenaspekten, nun ja, „bedacht“. Heute zum Beispiel durfte man erfahren, dass die Ballmutter eine Partnerschaft mit Ferrero Rocher eingegangen ist („Wer auf Gold setzt, liegt goldrichtig“, wird DTS zitiert), wir denken wieder einmal an den großartigen Ambassador-Werbespot aus den Achtzigerjahren und sagen: „A sign of good taste“.

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Hier zu sehen: eine Ferrero-Rocher-Praline, (c) Ferrero.

Überhaupt gibt es endlich einen Grund, den Opernball besuchen zu wollen – als Ballspende und Wegzehrung am Heimweg werden Damen eine goldene Ferrero-Tasche, gefüllt mit goldenen Ferreros, erhalten. Keine Frage, was in Wien die It-Bag der nächsten Monate sein wird. Das Hostessen-Kostüm, von dem hier eine Skizze gezeigt wird (ich nehme an, die Damen werden die goldenen Tascherl verteilen dürfen), wurde von der Designerin Sabine Karner entworfen. Alles Kugerl oder was?

Die Österreich-Vitrine

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Vom 19. bis 22. Jänner ist es wieder soweit: Der Austrian Fashion Showcase tritt wieder in Paris in Erscheinung, wie schon gewohnt beim ersten Termin der Première-Classe-Messe in der Porte-de-Versailles-Location. Mit von der Partie sind diesmal GON/Christina Steiner, Bradaric Ohmae, Wubet, Rose Beck, Andy Wolf, Mangelware und Katharina Schmid.

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Ich habe es schon einmal an anderer Stelle gesagt und wiederhole es gern: Was Camille Boyer und Marlene Agreiter, die außerdem die Organisation der Kooperationsbörse übernommen haben, hier auf die Beine stellen konnten, ist ganz außerordentlich wichtig für die heimische Szene. Ein – relativ kostengünstiger – Modesatellit mit Showcase-Effekt ist zu einem Zeitpunkt, da die Tradeshows in Paris (und sonstwo) vor lauter „upcoming talents“ und Newcomern überzugehen drohen, umso wertvoller.

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Gut Ding braucht Weile, und natürlich etabliert sich eine Modekapsel wie der Austrian Fashion Showcase nicht von heute auf morgen. Verglichen mit dem Budget, über das andere National/Regionalauftritte (etwa von Wallonie oder Flandern) verfügen, muss hier außderdem mit recht bescheidenen Mitteln ausgekommen werden.

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Umso lobenswerter ist der professionelle Auftritt – das betrifft sowohl den Messenstand als auch die begleitenden Druckmittel. Bravo also und weiter so – und mehr Informationen gibt es hier.