Marco De Vincenzo: „Wir erleben einen positiven Moment“

Für das „Presse Schaufenster“ habe ich mich in seinem Showroom in Paris mit dem jungen italienischen Designer Marco De Vincenzo unterhalten. Er ist bei Fendi für Accessoires zuständig und hat nebenher in den letzten Jahren – mit Beiteiligung von LVMH – erfolgreich seine eigene Marke aufgebaut. Im Interview sagt er unter anderem:

Zwischen den extremen Polen der Mode kann heute etwas Neues entstehen, es gibt sehr viel Spielraum, der sich nicht zuletzt zwischen den Metropolen Paris und Mailand aufmacht. Denn vergessen wir nicht, dass die Geschichte, die Alessandro Michele bei Gucci erzählt, eine sehr italienische ist, mit ihrer großen Opulenz und Überladenheit. Aber noch einmal. Dass in der Mode heute wieder so extrem entgegengesetzte Positionen existieren und jede auf ihre Weise erfolgreich sein kann, ist ein gutes Zeichen für die Flexibilität des Systems.

Das ganze Interview ist hier nachzulesen.

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Scharfes Ornat

(c) PR image

Da glaubt man, man hat sein Mode-Einmaleins brav interiorisiert, und dann so was. Von Prada-Eyewear (eine Lizenz der Luxottica-Gruppe, die zum Beispiel auch die Brillen von Bulgari, Chanel, Dolce & Gabbana, Versace, Miu Miu fertigt) gibt es jetzt ganz neu die „Ornate“-Kollektion, die ja nun wirklich sehr versace-esque Züge angenommen hat – zumindest an dem einen oder anderen Bügel-Scharnier-Punkt.

Donatella und Miuccia, peacefully united? Das sollte man sich einmal genauer unter die Lupe, pardon: das Brillenglas, nehmen …

Punktlandung

(c) Marni

Man kann es drehen und wenden, wie und solange man will: Sonderlich originelle Headlines mit „Punkt“ werden kaum auffindbar sein. Wer mit Mode zu tun hat und darüber schreibt, hat dank Marc Jacobs und, zuletzt als Gastkünstlerin für Louis Vuitton tätig, Yayoj Kusama, ohnehin schon alles Gepunktete aus sich herausgeklaubt. Und jetzt setzt auch noch Marni nach, mit hauseigenen Polka-Dot-Taschen, die den „Spirit der Sommerkollektion“ einfangen sollen, oder refklektieren, oder was weiß ich. Marni also.

Ohnehin kann man nur gespannt ab- und erwarten, wie es weitergeht. Herr „Don’t Call Me Diesel“ Rosso hat ja, wie kurz vor Weihnachten bekannt wurde, einen Mehrheitsanteil an diesem Modehaus übernommen. Eigentlich nur logisch, hatte man doch im Hause Castiglioni kurz davor ohnehin mit H&M kooperiert. Und der Bogen lässt sich mühelos weiterspannen – schließlich fand die letzte H&M-High-End-Kooperation auch mit der Rosso-Marke Margiela statt. Wann schlucken sich also Diesel und H&M gegenseitig, frage ich an dieser Stelle und komme damit auch irgendwie „auf den Punkt“.

Alles Kugerl? Goldrichtig!

(c) Sabine Karner
Die modische Interpretation der Ferrero-Kugerl von Sabine Karner

Um es abzukürzen: Was der internationalen Glamour-Red-Carpet-Gesellschaft Veranstaltungen wie die Oscars oder der Grammy sind, das ist dem etwas beschaulicheren Wiener Trott der Opernball. Spätestens einen Monat vor der Veranstaltung geht es los, und Pressevertreter werden mit Aussendungen zu allen erdenklichen Nebenaspekten, nun ja, „bedacht“. Heute zum Beispiel durfte man erfahren, dass die Ballmutter eine Partnerschaft mit Ferrero Rocher eingegangen ist („Wer auf Gold setzt, liegt goldrichtig“, wird DTS zitiert), wir denken wieder einmal an den großartigen Ambassador-Werbespot aus den Achtzigerjahren und sagen: „A sign of good taste“.

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Hier zu sehen: eine Ferrero-Rocher-Praline, (c) Ferrero.

Überhaupt gibt es endlich einen Grund, den Opernball besuchen zu wollen – als Ballspende und Wegzehrung am Heimweg werden Damen eine goldene Ferrero-Tasche, gefüllt mit goldenen Ferreros, erhalten. Keine Frage, was in Wien die It-Bag der nächsten Monate sein wird. Das Hostessen-Kostüm, von dem hier eine Skizze gezeigt wird (ich nehme an, die Damen werden die goldenen Tascherl verteilen dürfen), wurde von der Designerin Sabine Karner entworfen. Alles Kugerl oder was?

Hedis Kronjuwelen

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No pun intended, of course. Der gute Hedi Slimane jedenfalls, seit nicht so langer Zeit einigermaßen intensiv gescholtener Creative Director von Yves Saint Laurent, pardon: Saint Laurent Paris, legt jetzt eine erste, puristische (natürlich!) Schmuckkollektion vor. Womit ein nahtloses Abholen der einstigen Dior-Homme-Fangemeinde sichergestellt sein dürfte, immerhin firmieren diese Teile als „unisex“ (echte Dior-Homme-Aficionados decken sich wahrscheinlich schon längst mit Vintage-Cowboy-Klamotten ein, um das adäquate Pendant zur ersten Saint-Laurent-Kollektion parat zu haben).

Lifestyle-Medien sprechen übrigens auch hier von einer neuen Ära, da die reduzierten Formen der Slimane-Bijoux wenig bis gar nichts gemein haben mit den Kreationen von Loulou de la Falaise, langjährige Muse Saint Laurents und Designerin der Schmuckkollektionen des Hauses.

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Nun. die Schmuckkollektion hilft immerhin dabei, den neuen Markennamen „Saint Laurent Paris“ zu memorisieren. Verwirrung stiftet ja die Tatsache, dass die Kosmetik-Lizenz von L’Oréal bis auf Weiteres als „YSL – Yves Saint Laurent“ beibehalten wird.

Ach so, ja, und das Gerücht, dass Saint Laurent Paris auch nach „Vienne“ kommt, 2013, hält sich hartnäckig (damit auch PPR seine Spuren in Wien hinterlässt und nicht LVMH allzu eifrig davonprescht?). Das eröffnet natürlich ungeahnte Goldenes-U-Luxusshoppingdimensionen (Achtung, #ironie).

Schuhfetisch

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Diese Schuhmodelle hören auf so schöne Namen wie Zoya, Ramona oder Daphne.
Bitte immer mit dem Vorsatz „Queen“ zu versehen.

Bis auf weiteres habe ich ja keinen klinisch attestierten Schuhfetisch. Und in Ermangelung des notwendigen Mutes, der zwar Thomas Kirchgrabner, mich aber nicht, beseelt, trage ich vorerst auch keine Damenschuhe. So bin ich, scheint es, vor dem Dünkel des Schuhfetischismus auch gefeit. Ganz anders verhielte es sich aber, trüge ich ausgefallenes Schuhwerk für Damen.

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Das alles wegen…? Wegen der Schuhe von Bernd Serafin Thaler, „of course“. Diesen höchst talentierten jungen Mann verfolge ich schon seit Auftauchen erster – zumeist höchst wagemutiger – Kreationen in einigen freien Editorials vor zwei Jahren, einmal habe ich auch schon kurz mit ihm für einen Artikel über Accessoiredesign gesprochen.

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Alle Bilder von Luise Reichert, courtesy of B. S. Thaler.

Jetzt jedenfalls, bei der Suche nach Hübschheiten, die zur Weltuntergangsstimmung passen könnten, bin ich wieder auf Schuhe von Bernd gestoßen, und ich denke – Modeexzentrikerinnen könnten sich gut und gerne ein paar Schuhe von ihm auf den Rist (oder wie man sagt?) schneidern lassen.

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Anfragen für alle Sonderwünsche richte man an den jungen Herren über seine Facebook-Fanpage.

 

 

Auf Papier gesetzt

Ich habe gerade wieder ein bisschen im Netz herumgesucht (wir wissen ja: Online-Weihnachtsshopping sollte tunlichst nicht in ganz allerletzter Sekunde abgewickelt werden, immerhin drohen Wetterkatastrophen, die zu erheblichen Lieferschwierigkeiten führen können) und bin dabei auf die nicht gerade neuen, doch weiterhin sehr schönen Papiertaschen von Saskia und Stefan Diez gestoßen.

Diese wunderbar puristischen Accessoires firmieren gemeinhin, wahrscheinlich aus Gründen der „Catchiness“, als „papieren“, bestehen in Wahrheit aber aus Tyvek® (fühlt sich wunderbar korrekt an, so ein ® im Vorbeigehen einzustreuen, übrigens). Dabei handelt es sich um eine Kunstfaser, die so neu gar nicht ist und von DuPont patentiert wurde.

Wieder einmal ein schlagender Beweis für den ohnehin gern hochgehaltenen Umstand, dass, wenn auf formaler Ebene nicht mehr gar so viel geht, Materialinnovation als kompensatorisches Momentum herhalten darf, soll und muss.

Fazit? „I like“, wie es so schön im Facebook-Sprech heißt, sprachübergreifend nämlich.

Strick im Netz

Die in Paris lebende, aus Österreich stammende Designerin Michaela Bürger ist gleichermaßen umtriebig wie arbeitswütig und vielseitig: Schon in Wien hat sie ein Kostümbild- und ein Modestudium parallel absolviert, in Paris betreibt sie (ohne jede finanzielle Unterstützung) ihr eigenes Label, entwirft für das traditionelle Maison Fabre Handschuhe, macht schon einmal mit Anne-Valérie Hash oder Mühlbauer-Hüte gemeinsame Sache und stattet nebenbei noch das eine oder andere Tanz- oder Theaterstück aus.

Vor Kurzem ist sie mit ihrem eigenen Onlineshop „live“ gegangen, was all jene Endverbraucher freuen wird, die ein Faible für ausgefallene Strick- und Häkelteile haben.

Karl oder Katie?

Lange hat der „ultimative Clash“ von Designern und Stylisten in Auftragnehmerdingen ja nicht auf sich warten lassen, werden doch die prominentesten Vertreter beider Berufsgruppen längst schon als kreative Köpfe von großen Modemarken für das Erstellen von lieb gewonnenen und immer noch irgendwie unübersetzbaren „Capsule Collections“ herangezogen. (Kapselkollektion? Sicher nicht! Vielleicht gibt es ja ein andermal Gelegenheit, diese spannende Frage näher zu besehen.)

Jedenfalls lud Diego della Valle unlängst die Stylistenberühmtheit Katie Grand ein, ein paar Modelle für seinen Streetwear-Spinoff „Hogan“ zu entwerfen, und wir sehen auf den ersten Blick: Das zuletzt allgegenwärtige Modell „Sneaker mit integriertem Keilabsatz“ kommt auch hier zu Ehren. Wie gefällt uns aber im Vergleich ein Modell aus Karl Lagerfelds erster „Hogan by Karl Lagerfeld“-Kollektion (die Kooperation startete 2010)?

Sagen wir einmal, ein bisschen vorsichtig, in beiden Fällen macht sich der Innovationsgrad recht bescheiden aus, aber das Rad muss ja auch nicht ständig neu erfunden werden.

Céline? Braucht kein Mensch.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht, und Phoebe Philo macht wunderbare Mode. Auch wenn der Hype vielleicht ein ganz klein wenig abgeklungen ist? Ist ja auch schwierig, so über Saisonen und Jahre hinweg als Leithammel (oder wie man das nennen soll) der ganzen Modewelt fungieren und funktionieren zu müssen. Christophe Decarnin hat bei Balmain ja nicht so lange durchgehalten, und Nicolas Ghesquière hat, ein wenig überraschenderweise?, unlängst ja auch w.o. gegeben.

Aber was ich eigentlich sagen wollte: Wer Céline mag, der wird die Taschen von Tanja Bradaric und Taro Ohame lieben. Ich hoffe stark, dass sich die beiden als „the Next Big Thing“ aus Wien etablieren können. Wenn sie ihren cleveren und stilsicheren Accessoire-Ansatz so konsequent weiterverfolgen, wenn die Qualität der Produktion stimmt und ein Vertriebsnetz auf die Beine gestellt werden kann, dann sollte das womöglich gelingen.

Siehe auch www.bradaric-ohmae.com