Deutsche Gediegenheit (oder so)

Covercheck: Vogue vs Bazaar, Deutschland, September 2013
Covercheck: Vogue vs Bazaar, Deutschland, September 2013

Die Frequenz der Kalte-Platte-Aufwartungen hat natürlich mittlerweile ein lächerlich geringes Maß angenommen, aber man hat ja auch außerhalb der Blogosphäre ein (Berufs)Leben, nicht wahr?

Was ich aber eigentlich sagen wollte (und ich bin ohnehin schon VIEL ZU SPÄT dran, weil ja Septemberausgaben wirklich schon Schnee von gestern sind): Die vor ein paar Wochen unterneommene Parallel-Lektüre von Vogue Deutschland und dem neuen Harpers Bazaar, geleitet von der ganz und gar legendären Margit J. Mayer (ein Interview mit ihr, noch als AD-Chefredakteurin, hier). Man fragt sich übrigens bei diesen abgekürzten Mittelnamen doch unweigerlich immer, wofür das Initial steht: Josefine?

Und ich muss schon sagen: Vielleicht tut es ja der deutschen Ausgabe des Condé-Nast-Flagschiffs ganz gut, dass da einmal ernstzunehmende Konkurrenz auftaucht. Schließlich fällt der Vergleich in meinen Augen sehr zugunsten von Bazaar aus: frischer, origineller, liebevoller, überlegter, anspruchsvoller. Und es gibt auch mehr zu lesen (die deutsche Vogue ist ja ohnehin die meiner Meinung nach inhaltsärmste von allen).

Es bleibt also spannend, wie sich die Angelegenheit ab Januar 2014, wenn Bazaar dann monatlich in die Geschäfte kommt, entwickeln wird. Nach dem Vergleich der Septemberausgaben würde ich sagen, die Vogue sollte sich denn doch ein etwas zeitgemäßeres Kleidchen überstreifen. Die „Medienmarke“ allein macht’s nicht …

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Givenchy oder Balenciaga? Hauptsache rüschig!

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Rüscherlanzeigenmotive: von Balenciaga und Givenchy, artig beschriftet.

Jaja, ich weiß schon – die Modepresse und ihre Tendenz, Dinge aufzubauschen. Aber das ist nun einmal Teil des leicht hysterisch angehauchten Berufsfeldes, derlei kommt alle paar Saisonen wieder – jetzt wird gerade Raf Simons vs. Hedi Slimane ausgekostet bis zum Letzten, irgendwann war es Nicolas Ghesquière vs. Christophe Descarnin, und irgendwer wird dann zwischendurch eben verrückt, weil er bei dem Spiel nicht mehr mitmachen will.

Dieser Blog-Eintrag soll aber gar nicht bis ins Innerste der Funktionsweisen des Modesystems führen, ich wollte nur auf eine Auffälligkeit hinweisen, die sich auf den „Givenchy vs Balenciaga“-Nenner bringen lässt: Beim Durchblättern der Märzausgabe der US Vogue (wieder einmal finde ich es erstaunlich, um wieviele journalistische Klassen die amerikanische Vogue besser ist als die unsäglich inhaltsleere deutsche) ist mir aufgefallen, dass die Anzeigenmotive von Balenciaga und Givenchy sich doch sehr ähnlich sehen.

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Beyoncé, in Givenchy, am Cover der Märzausgabe der US Vogue.

Zusätzlich bizarr ist, dass eine Blutsverwandte von dem Givenchy-Modell in sehr ähnlicher Form auch noch das Cover des Magazins ziert, für das Beyoncé ihr Celebrity-Gesichtchen in die Kamera gehalten hat. Ob man da nicht eine andere Givenchy-Anzeige unterbringen hätte können (nicht auf allen, die aktuell kursieren, sind Rüschen-Schößchen zu sehen)?

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Einmal am Cover, ein zweites Mal als Testimonial ihres eigenen Duftes – die Märznummer markiert Beyoncés Vogue-Sternstunde.

Dass irgendwo im Heft dann nochmal eine ganze Seite Beyoncé folgt, diesmal als Testimonial (Stichwort: Kreatidirektion) für ihr eigenes Parfum in einem Anzeigenmotiv, darf wohl als weitere Ungeschicktheit der verantwortlichen Anzeigenabteilung verbucht werden. Oder seh ich das zu eng?

Die Modedirektion

Mode kann Geschichten erzählen, von allem, das in der Welt passiert„, meint Anna Wintour. Und in einem größeren, weiteren Sinn hat sie bestimmt auch recht (die gute Frau ist ja nicht umsonst die mächtigste Medienmacherin in einem milliardenschweren Business – talentbefreite Menschen kommen zwar manchmal recht weit, nicht aber an die Spitze des Condé-Nast-Publishing-Flagschiffs, würde ich jetzt mal etwas pathetisch anmerken).

Eben, also, Mode und Gesellschaft, Spiegel und Einflussnahme, hin und her. Und die Stylisten, also im Englischen noch schöner die „Fashion Directors“, sind da, so Wintour, ihre „secret weapon“. Diese Geheimwaffe hat sich nun also der Sender HBO vorgeknöpft, der bekanntermaßen für ein paar der größten Serienerfolge der letzten Jahre zuständig war.

Man mag es kaum glauben, dass diese Damen tatsächlich in so großen Zusammenhängen und gesamtgesellschaftlichen Maßstäben zu denken imstande sein sollen.

Am 6. Dezember wird die Doku „In Vogue: The Editor’s Eye“ erstmals ausgestrahlt – es ist davon auszugehen, dass das Internet relativ schnell von hier einem Fetzchen, da einem Fetzchen, durchdrungen sein wird.

Darf ich noch etwas anmerken? Wenn ich mir so anhöre, was die Damen in diesem Trailer-Schnelldurchlauf zu sagen haben, dann bin ich doch ganz froh, dass die Chefredakteurin der US-Vogue aus Journalistenholz geschnitzt ist. Des Inhalts ihrer Zeitschrift wegen, in erster Linie. Denn davon, also eben auch in puncto gute Magazingeschichten, gibt es in der US-Ausgabe des Magazins ja gar nicht so wenig (vielleicht bietet sich ein andermal Gelegenheit, vom deutschen Pendant zu sprechen… ich sage nur: das Vogue-Doppelinterview…).