Duftendes Detail

Eine duftende Nebenrolle spielt in "The Grand Budapest Hotel" von Wes Anderson der Duft "Air de Panache".
Eine duftende Nebenrolle spielt in „The Grand Budapest Hotel“ von Wes Anderson der Duft „Air de Panache“.

Alle Achtung, Wes Anderson! Nun mag man ein Freund seiner Ausstattungsorgien sein oder nicht, in jedem Fall vergisst Anderson nicht auf das noch so kleinste Detail. Zum Beispiel einen Duft, mit dem der Concierge Gustave H., gespielt von Ralph Fiennes, sich in seinem Film „The Grand Budapest Hotel“ so charakteristisch umnebelt, dass das Parfum quasi zu seiner Duftmarke wird.

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Besagtes Cologne, „L’Air de Panache“, ließ Wes Anderson nämlich in Zusammenarbeit mit der französischen Vertriebsfirma Nose und dem bekannten Parfumeur Mark Buxton Wirklichkeit werden. „L’Air de Panache“ ist aber leider nicht in den Handel gekommen, auf der Homepage von Nose lässt sich einiges darüber nachlesen.

Und der nicht in den Genuss eines Panache-Flakons gekommene Beobachter kann sich wieder einmal zu überlegen beginnen, ob er nun die Wiedereinführung der bereits wiederholt kläglich gescheiterten Versuche mit Geruchsfernsehen und -kino wünschen würde, oder sicherheitshalber doch nicht.

 

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Wie Müll … mit Blumen

 

Die roten Krallen von Rosalyn Rosenfeld, gespielt von Jennifer Lawrence.
Die roten Krallen von Rosalyn Rosenfeld in „American Hustle“, gespielt von Jennifer Lawrence.

Ist zwar schon ein Weilchen her, aber wollte ich auch noch irgendwann anmerken: Das fabelhafte Auftauchen eines Kosmetikbezuges in „American Hustle“, dem bei den Oscars 2014 dann doch ein wenig kurz gekommenen Film von David O. Russell.

Eine Nebenrolle für eine der Nebenrollen, nämlich die von Jennifer Lawrence gespielte Rosalyn Rosenfeld, spielt ja ein eigens aus der Schweiz importierter Spezial-Nagellack. Und es ist, man weiß vielleicht um das Suchtpotenzial von Nagellackschwaden (pfui!), schon amüsant, wie Frau Rosenfeld das Unwiderstehliche an diesem Vernis als „it smells like garbage … but garbage with flowers!“ umschreibt.

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Und abgesehen davon, dass gerade solche Fäulnis-Klassiker wie Jasmin oder Tuberose tatsächlich in die Richtung „Müll und Totes“ gehen, könnte man die Phrase „like garbage with flowers“ auch gut und gerne in das Repertoire von Duftkritiken inkorporieren, nicht wahr?

 

Mode-Zukunft: die Grmpf Hose

Wahrscheinlich gibt es kaum eine tollere Berufsbezeichung mit Modebezug als „Future Wardrobe and Design Consultant“ bei einer Filmproduktion, noch dazu bei einem so gelungenen Film wie „Her“ von Spike Jonze. (Sidenote: Vom Trailer war ich ja nicht besonders angetan und schickte mich also fast widerwillig an, mir „Her“ anzuschauen, aber der Film selbst ist wirklich sehenswert und wartet mit sehr vielen interessanten kleinen Ideen in puncto „where mankind is heading“ auf).

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Da „Her“ in der zwar nicht allzufernen aber eben doch nicht ganz greifbaren Zukunft spielt (bezeichnend: gefilmt wurde On Location in Los Angeles und Shanghai, weil Shanghai offenbar als die urbanistische Zukunftsstadt gilt… Ich erinnere an „Blade Runner“, das ebenfalls in einem zukünftigen Los Angeles angesiedelt ist, welches sich aber deutlich dunkler und trister ausmacht als die durchaus lebenswerte Metropole, die in „Her“ zu sehen ist. Aber dann wieder: Spike Jonze ist nicht Ridley Scott…), musste also jemand her, der sich mit dem Manifest-Werden von Trends über eine Zeitspanne von mehr als nur ein, zwei Saisonen auskennt.

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Kenzo-Sweater, alle auf thecorner.com

 

Also ein Modedesigner – eh logisch. Als „Future Wardrobe and Design Consultant“ fungierte nun laut MitarbeiterInnenliste bei „Her“ Humberto Leon. Jawohl, Opening-Ceremony-Humberto. Und natürlich, Kenzo-Humberto. KEN-ZO. Eh schon wissen, Trendalarm und so.

So fühlt sich wahrscheinlich nicht nur Joaquin Phoenix, wenn er so eine Hose tragen muss. Grmpf.
So fühlt sich wahrscheinlich nicht nur Joaquin Phoenix, wenn er so eine Hose tragen muss. Grmpf.

Allerdings muss ich schon meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, dass der gute Trend-Guru Humberto bei seiner Prophezeiung, dass die Zukunft (irgendwie mutmaßt man als „Her“-Zuseher, dass da nicht mehr so viel saisonaler Wechsel stattfinden wird, weil die Menschen ja quasi komplett postmateriell geworden sind) in erster Linie auf Taille geschnittene Wollhosen bringt, zumindest für Männer, nicht recht behält.

Auch ein Future Wardrobe Consultant kann schließlich nicht im Kaffeesud lesen, zwingend. Sage (und hoffe) ich jetzt einfach einmal so …