COS: Zehn Jahre Leisertreten

Anlässlich des zehjährigen Bestehens von COS habe ich für das „Presse Schaufenster“ in der Firmenzentrale in London die Chefdesignerin aller Linien, Karin Gustafsson, interviewt. Seit einem Jahrzehnt werden hier, fast im Sinne einer ständig erweiterten, permanenten Kollektion, mit denselben Mode-Codes neue Vorschläge gemacht: „Was sich im Lauf der Jahre verändert hat, sind am ehesten die Proportionen unserer Kollektionen. Wir haben immer noch das Hemd, die gut geschnittene Hose, das kleine Schwarze im Angebot, aber die Silhouette hat sich verändert“, sagt Gustafsson.

Der ganze Text ist hier nachzulesen.

Der Schein der Dinge

Trojan Chair
Sébastien de Ganays Buch-Karton-Trojaner

Wenn die Dinge nicht (ganz) das sind, was sie zu sein schienen, dann ist das ja üblicherweise eher nicht so toll, also von wegen Täuschung, Hinterlist & Co. Im Fall der „Carton Chairs“ von Sébastien de Ganay, einem französischen, in (oder eher: bei) Wien lebenden Künstler, ist das aber eine durchaus feine Angelegenheit.

carton-chairs

Sébastien hat, ausgehend von einer Skulpturenserie, die der Form auseinandergeklappter Pappendeckelschachteln nachempfunden ist, eine Serie von (Wohn-Kunst)Objekten gestaltet und sich damit ins Feld der Angewandten Kunst bewegt. Besonders schön finde ich den „Trojan Chair“, siehe oben, in Pink, der außerdem noch Stauraum für Bücher oder bietet.

Schön ist übrigens auch, dass Sébastien akkurat mit dem Trojan Chair derzeit im Centre Pompidou zu sehen ist – und zwar als Teil von „Book Machine“, einem Kunstprojekt, das von One Star Press kuratiert wird und in dessen Rahmen Künstler Bücherregale gestaltet haben.

Wo eine Hand, da Nagellack

iphonecover

Und wo ein Handy, da Nagellacky? Man sollte es vielleicht mit den Analogien nicht übertreiben. In jedem Falle gibt es in dem Etsy-Shop „The Custom Art“ den passenden Lack für das Handy zu kaufen, daher kommen tut er in einer Chanel-Ästhetik. Ich frage mich, ob die Lizenznahme dieses Aussehens eine besonders heikle war, vielleicht läuft es für den (in Hongkong registrierten…) Anbieter ja auch unter „Nagel-Kunst“. Praktisch übrigens auch für Männer, die endlich an der allgegenwärtigen Nagellack-Frenzy teilhaben wollen.

Kontinente ausrollen

landcarpet_europe2
Land Carpet: Europe

So, jetzt ist dann bald einmal Schluss mit dem ganzen Weihnachtsgerede (obwohl ja noch immer nicht Heiliger Abend ist…) – wer von PR-Agenturen mit Aussendungen bedacht wird, ist schon mindestens bei St-Valentin angekommen, wenn nicht, auch das gab es schon, bei Ostern.

landcarpet_africa2
Land Carpet: Africa

Osterputz also, Frühlingserwachen – da dekoriert man ja gerne einmal das Wohnzimmer neu. Deshalb: Wer Lust hat auf großflächige Behübschung und außerdem mit einem Faible für Geographie und Landschaftskunde ausgestattet ist, der wird die „Land Carpets“ des in Peking lebenden, österreichischen Designers und Architekten Florian Pucher lie-ben. Versprochen. Nicht mehr ganz neu (schon 2009 mit dem „Interior Design Award“ von Elle versehen), weiterhin fabulös. Florian Pucher gestaltet diese Teppiche basierend auf Satellitenbildern von Landschaften in Europa, Afrika, den USA, China.

LANDCARPET_Netherlands_IPAD

Somit: ein Vorfrühlingstipp. Und jetzt ab zum Christbaumaufputzen – ah so, nein, ja noch immer nicht …

 

Das Keksi trägt Prada

courtesy of Pattern People
Prada F/S 2012 „fashion gingerbread“, courtesy of Pattern People

Unlängst war ich auf der Suche nach fashionabler Weihnachtsbäckerei zu Bebilderungszwecken und bin so auf die Homepage der Pattern People gestoßen: Dabei handelt es sich um ein in Oregon ansässiges Designstudio, gegründet von Claudia Brown und Jessie Whipple Vickery, die sich in erster Linie auf Mustermacherei spezialisiert haben und durchaus in der Mary Katrantzou/Peter Pilotto-Liga mitspielen. Vor zwei Jahren haben die beiden eine ganze Serie von modeinspirierten Lebkuchenweiblein gebacken, wobei meine Vorliebe ja der Pradaversion gilt. Man könnte ja fast auf die Idee kommen, zuhause selbst die aktuellen Winterkollektionen nachzubacken (oder sogar total verwegenerweise Sommerkekse zu dekorieren), was immerhin eine recht kostengünstige Alternative zu Shopping-Ausflügen wäre.

 

Ein Zuckerlhimmel

(c)-Katharina-Gossow
2008 kooperierte die Confiserie Altmann & Kühne mit Megumi Ito (Foto: Katharina Gossow)

Ich sollte wohl vorausschicken: nicht nur ein Zuckerlhimmel, sondern noch viel mehr Zuckriges und Himmlisches gibt es seit ein paar Tagen im Wiener MAK, dem Museum für Angewandte Kunst, zu sehen. Die Ausstellung „WerkStadt Vienna – Design Engaging the City“ zeigt verschiedene Designpositionen, die im Rahmen der „Passionswege“ der Vienna Design Week entstanden sind.

(c)-Studio-Makkink-&-Bey
Ein Rendering der Ausstellungsarchitektur des Studio Makkink & Bey.

Der in Wien umtriebige und Design-affine Menscht wird hier nicht unbedingt das Gefühl haben, dass es sich um noch nie gesehene Exponate handelt – das stimmt ja aber auch. Die Ausstellung versammelt gewissermaßen ein Best-Of der „Passionswege“, gegenübergestellt mit Stücken aus der MAK-Schausammlung. Ähnliches ist mit den durchaus vergleichbaren „Wien Products Collections“ – da wie dort arbeiten Traditionsbetriebe mit jungen Designern zusammen – in diesem Herbst ja schon geschehen. Die kompakte Überschau in einer klar-skandinavisch anmutenden Ausstellungsarchitektur des Studio Makkink & Bey aus Rotterdam ist aber jedenfalls sehenswert.

(c)-kollektiv-fischka
2007 kooperierten DANKLHAMPEL mit Wäscheflott.

Am Rande der Eröffnung erhielt ich dann noch einmal bestätigt, was ohnehin schon offiziell ist: Im Frühjahr 2013 wird eine Ausgabe von Domus für den deutschsprachigen Raum starten, verlegt von Alexander Geringer/ahead media. Che eccitazione !

 

Ohne Brilli, keine Milli

lobmeyr_dessi02

Zugegeben, es gibt elegantere Reime – aber selbst das tut an dieser Stelle wenig zur Sache (geht es nicht um die Authentizität, um das menschlich Spontane, das echt Empfundene? – ah, ja, eh…!?). Ohne Brillanz ja tatsächlich keine Milch, wenn man sich darauf kaprizieren sollte, selbige aus glitzernden Kristallgläsern zu süffeln und eben dieser entbehrt. Wenn ich zum Beispiel dann einmal so richtig groß und arriviert bin, trinke ich meine Milch, beziehungsweise meinen „Chichi“, wie man das wohl nennt, aus Lobmeyr-Gläsern. Und zwar am liebsten der von Marco Dessí entworfenen „Grip“-Kollektion.

lobmery_dessi

So eine herrliche Fünfzigerjahre-Anmutung, und dabei doch so modern. Zum Glück ist dieses Kooperationsprojekt in den ständigen Bestand der Lobmeyr-Produkte übergegangen. Es gibt also noch Hoffnung für nach dem Kristallhimmel Strebende.

lobmeyr01

Selbiger umfasst freilich auch Glaspreziosen wie die Ambassador-Kollektion von Oswald Haerdtl. In der Bonbonnière täte ich dann auch meine Demel-Pralinchen verstauen. Einstweilen übe ich mich in Geduld.

 

Fliegende Fische

Also, erstens ist natürlich ein Wal kein Fisch, das weiß ich natürlich (was das mit dem „Walfisch“ soll, ist mir also weiterhin schleierhaft – auch wenn es hier nichts zur Sache tut). Das Wortspiel bietet sich aber an, will ich doch an dieser Stelle kurz das seit 2005 in Entwicklung befindliche Projekt „Manned Cloud“ von Jean-Marie Massaud herzeigen.

Als Sonntagswölkchen, quasi. Auch wenn mich die Wolke tausendprozentig an Moby Dick erinnert. Ergo, Wal(fisch).

Wo sich doch alle Welt Gedanken über die Zukunft der Luftfahrt macht, finde ich jedenfalls die Vorstellung, in einem Moby-Dick-Zeppelin durch die Lüfte zu schwirr/men ganz hübsch. Einziger Tipp für alle mit der Erstellung von Passagier-Amenities betrauten Personen: Man sollte an Bord eher keine Hindenburg-Katastrophenfilme gezeigt bekommen.

 

Geschnittene Gesichter

Weihnachtsgeschenksuchebedingt und vorgeschlagenbekommenkausal (pfuh!) bin ich auf den Facemaker von Miller Goodman gestoßen, den es beim klein-fein-oho’en Süper Store auch online zu kaufen gibt.

Laut Händler wurde das Holzklotzgesichtspuzzle (heute habe ich es aber mit den Mots-Valise…) für den British Design Award 2012 nominiert.

Nun weiß ich zwar nicht, ob der British Design Award ählich inflationär funktioniert wie der Red Dot Award (ganz unverbindlich und auch -verblümt gesagt), der Facemaker jedoch ist ein jedenfalls nettes Designgadget mit gar nicht schlechtem Schenkbarkeitsfaktor. Oder?

Ah ja, zu kaufen, eben, ich sage das aus Leserservice-Gründen, ganz wichtig, gibt es ihn, um 42 Euro exklusive Versandkosten, hier.

 

Hohe Schreibkultur

Jetzt hätte ich natürlich gerne ein Zitat parat, um zu illustrieren, wie ungemein wichtig das Hochhalten von (handschriftlich betriebener) Schreibkultur ist und wie schön zu sehen, dass Menschen weiterhin von Hand Notizen zu Papier bringen.

Wer kein Tagebuch schreibt, kommt ja vielleicht gar nicht so oft dazu, sich über den Einkaufszettel hinausgehende Notizen zu machen. Ich will es aber auch nicht unbedingt übertreiben mit dem schriftkulturellen Herumgerede, jedenfalls finde ich persönlich das Faber-Castell-Schreibset (erhältlich um circa 1000 Euro) gar nicht hässlich.

Ein Schreibtisch-Candy quasi, für alle, die sich ein „analoges“ Bureau leisten und den üblicherweise für Notebooks vorgesehenen Platz lieber einer Schreibunterlage widmen wollen.