„Ich bin ja noch ganz am Anfang“

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Foto: Katsey für Die Presse Schaufenster

Vor nicht einmal einem Jahr habe ich Miriam Fussenegger für eine Coverstory in der Salzburg-Spezialausgabe des „Presse Schaufenster“ getroffen. Damals stand Miriam vor ihrem ersten Auftritt bei den Salzburger Festspielen, vor wenigen Tagen wurde sie als neue „Buhlschaft“ vorgestellt. Das nenne ich einen raschen Aufstieg in der Festspielstadt.

Miriams letzter Satz in unserem Gespräch, als ich sie fragte, wie sehr sie sich denn als Person mit potenziell großem Bekanntheitsgrad auch abseits der Bühne in einer Repräsentationsrolle sehe, wird wohl sehr schnell ad acta gelegt werden müssen:

„Realistischerweise denk ich mir, was soll ich schon groß repräsentieren; ich bin ja noch ganz am Anfang. Ich finde es zum Beispiel fast befremdlich, wenn mich jemand um ein Autogramm bittet.“

 

 

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Ratlosigkeit und Unverständnis

So, mit einigem Respektabstand zu den bislang hier (und in „meiner“ sonstigen Medienproduktion) vorherrschenden Themen, aus Anlass aktueller Geschehnisse bzw. meinem Bedürfnis der Meinungsäußerung, möchte ich die Kalte Platte diesmal nutzen, um etwas zu posten, das ich letztens auch auf Facebook schon losgeworden bin.

Weil mir gerade wirklich alles hochkommt, wenn ich auf Facebook in den Kommentarleisten zu manchen Beiträgen runterscrolle. Wenn ich da nämlich MANCHE Äußerungen lese, finde ich es schlichtweg unfassbar, dass offenbar inmitten des größten Wohlstandes moralisch völlig heruntergekommene Figuren sich hermachen über Menschen, die sich in einer für die meisten von uns schlicht unvorstellbar misslichen Lage befinden.

Ja, fast mehr noch als die wiederholt konstatierte Taten- und Ratlosigkeit der Politik finde ich widerwärtig, dass ein nicht vernachlässigbarer Teil der „öffentlichen Meinung“ auf Facebook oder in den Community-Beiträgen etablierter Medien  „gegen die Flüchtlinge“ ist.

(Was soll das überhaupt heißen? Man ist gegen das fliehen vor dem krieg? Ja, wo sind wir denn?)

Dass Meldungen über auf der Flucht zu Tode gekommene Menschen mit positiven Rückmeldungen gleich welcher Art versehen werden, ist dann endgültig das Schlimmste, und so „schnell und leichtfertig“ sich so etwas auch hinschreibt, frage ich mich doch, ob nicht auch solche Meinungsäußerungen schon auf irgendeine Art geahndet werden sollten.

Bei jedem Hassposting, wenn ich auf das Facebook-Profil des Kommentar-Hinterlassers klicke, hoffe ich eigentlich, dass ich auf ein offensichtliches Troll-Profil stoße, und bin umso entsetzter, wenn das „echte“ Menschen sind, die üblicherweise süße Kätzchen-, Mops- und Autofotos posten.

Wenn sie sich eben nicht über die Menschen, die vor dem Krieg fliehen auskotzen. Zwischendurch mal.

Auch wenn das übertrieben simpel klingen mag, inmitten der ganzen Entsetzlichkeit: Ich verstehe nicht, wer diese Hater sind und wie es sie geben kann und wieso sie glauben, sich unbescholtenerweise auf diese Art äußern zu dürfen / sollen / können. Ich verstehe es einfach nicht.

Roshi und die großen Namen

dieses und alle anderen Bilder (c) Etienne Tordoir
dieses und alle anderen Bilder (c) Etienne Tordoir

Aber hallo und: na, bravo! Wirklich nämlich. Bravo und herzlichen Glückwunsch – an Roshi Porkar. Die Absolventin der Angewandten-Modeklasse hat bei der diesjährigen Ausgabe des Mode- und Fotofestivals in Hyères (wo in der Vergangenheit bekanntermaßen immer wieder Designer mit Österreichbezug schöne Erfolge feiern konnten) den Prix Chloé gewonnen.

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Roshi, die in den letzten Monaten Erfahrungen bei Lanvin in Paris sammeln konnte – was ihr sozusagen gleich den nächsten großen Namen auf ihrem Mode-Revolvergriff einkerbt (meine Güte, immer diese komischen Metaphern!) -, gewann den Prix Chloé (der in Hyères zum erst dritten Mal vergeben wurde) für das Kreieren einer Silhouette, die der Ästhetik des Hauses entspricht.

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Wie man auf diesen Bildern sehen kann (alle von Roshis Diplomkollektion), musste sich die junge Designerin dafür nicht allzu sehr verbiegen. Schön, das zu sehen. Und spannend, natürlich, wie es weitergeht!

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Wenn Britney die Jagdgründe markiert

Screenshot, "Perfume" by Britney Spears
Screenshot, „Perfume“ by Britney Spears

Ein kleines Follow-Up zu meinem letzten Post über die Wolford-Nennung in Kylies „Sexercize“-Video (ist Kylie übrigens auf einem verspäteten Neunzigerjahre-Sex-Selbstverwirklichungstripp, oder was ist da los?): Ich habe auch in meiner Riechstoff-Kolumne für das „Presse Schaufenster“ schon einmal über Britney Spears‘ „Perfume“ geschrieben, aber ich möchte denselben Gedanken jetzt auch auf die Kalte Platte versetzen: Wie unglaublich beherzt Britney in einem Musikvideo ihre eigene Duft-Familie bewirbt, das hat fast schon wieder was.

Und dann auch noch mit „Perfume“ zu titeln, das ist geradezu kühn. Aber immerhin sind es auch ihre eigenen Düfte, während Kylie ja die Strümpfe eines Sponsors besingt. (Okay, die Düfte macht eigentlich auch nicht Britney selbst, aber sie hat einen etwas engeren Verwertungsnutzen.) Insofern, ja, finde ich „Perfume“, auch wenn es irgendwie noch absurder ist, weniger abturnend als das mit Sponsorenlogo versetzte „Sexercize“-Video. Oder?

 

Kylie macht Sexercize, Musik – und Werbung

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Courtesy of Warner Music / Wolford

Roter-Teppich-Alarm…: Wer es auch in irgendwelche PR-Verteiler von Mode- und Lifestylemarken „geschafft“ hat, wird bestätigen können, dass dieCelebrity-Spottings und Star-Auftritte mit erhoffter Werbewirkung sich unter den diversen Aussendungen kaum zu überbietender Beliebtheit erfreuen. Zwar schauen nicht alle Medien aus wie die InStyle, die Grazia oder das Seitenblicke-Magazin, und ich bezweifle eigentlich auch, dass diese massenhaften Star-Sichtungen mit irgendwelchen Handtaschen und Sonnenbrillen besonders viel für die Kaufentscheidung bewirken, aber vielleicht täusche ich mich ja auch (oder bin auch unrepräsentativ, denn ich persönlich möchte lieber nichts besitzen, das irgendein Hollywoodstar am Strand in Venice Beach vor sich herwedelt oder auf sich draufhat).

Eine Besonderheit stellen natürlich auch die Sichtungen in diversen Musikvideos dar. Besonders gut hat man es im allgemeinen bei Lady Gaga, die offenbar für jede Einstellung in ihren Musik-Machwerken einen anderen Designerlook auswählt (oder von irgendjemandem im Haus of Gaga auswählen lässt).

Screenshot "Sexercize" auf Youtube
Screenshot „Sexercize“ auf Youtube

Nochmal anders verhält es sich, wenn das Musikvideo gleich zum Werbespot umgemodelt wird. Ein besonders, ähm, aufschlussreiches Beispiel ist das letzte Video von Kylie Minogue, „SEXERCIZE“ (omg omg omg). Also, ich spreche an dieser Stelle gar nicht über das Video oder den Song an sich („Bounce Bounce Bounce“), sondern über die Tatsache, dass offenbar alle Workout-Outfits in diesem „hottest workout video ever“ (Wolford PR-Text) von dem Wäschehersteller Wolford beigestellt wurden. Damit der Kooperationspartner nicht davon abhängig ist, dass irgendwelche Medien diese Information aufgreifen, wird am Anfang auch noch kurz das Logo eingeblendet.

Und genau das geht meiner Meinung nach denn doch ein bisschen zu weit. Wer diese Tür aufmacht und die Grenzüberschreitung zwischen (eh schon werblichem) Musikvideo und Werbespot vorantreibt, tut sich nicht wirklich etwas Gutes. Oder sehe ich das ganz falsch und alle, die das lesen, denken komplett anders..?

Duftendes Detail

Eine duftende Nebenrolle spielt in "The Grand Budapest Hotel" von Wes Anderson der Duft "Air de Panache".
Eine duftende Nebenrolle spielt in „The Grand Budapest Hotel“ von Wes Anderson der Duft „Air de Panache“.

Alle Achtung, Wes Anderson! Nun mag man ein Freund seiner Ausstattungsorgien sein oder nicht, in jedem Fall vergisst Anderson nicht auf das noch so kleinste Detail. Zum Beispiel einen Duft, mit dem der Concierge Gustave H., gespielt von Ralph Fiennes, sich in seinem Film „The Grand Budapest Hotel“ so charakteristisch umnebelt, dass das Parfum quasi zu seiner Duftmarke wird.

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Besagtes Cologne, „L’Air de Panache“, ließ Wes Anderson nämlich in Zusammenarbeit mit der französischen Vertriebsfirma Nose und dem bekannten Parfumeur Mark Buxton Wirklichkeit werden. „L’Air de Panache“ ist aber leider nicht in den Handel gekommen, auf der Homepage von Nose lässt sich einiges darüber nachlesen.

Und der nicht in den Genuss eines Panache-Flakons gekommene Beobachter kann sich wieder einmal zu überlegen beginnen, ob er nun die Wiedereinführung der bereits wiederholt kläglich gescheiterten Versuche mit Geruchsfernsehen und -kino wünschen würde, oder sicherheitshalber doch nicht.

 

Wie Müll … mit Blumen

 

Die roten Krallen von Rosalyn Rosenfeld, gespielt von Jennifer Lawrence.
Die roten Krallen von Rosalyn Rosenfeld in „American Hustle“, gespielt von Jennifer Lawrence.

Ist zwar schon ein Weilchen her, aber wollte ich auch noch irgendwann anmerken: Das fabelhafte Auftauchen eines Kosmetikbezuges in „American Hustle“, dem bei den Oscars 2014 dann doch ein wenig kurz gekommenen Film von David O. Russell.

Eine Nebenrolle für eine der Nebenrollen, nämlich die von Jennifer Lawrence gespielte Rosalyn Rosenfeld, spielt ja ein eigens aus der Schweiz importierter Spezial-Nagellack. Und es ist, man weiß vielleicht um das Suchtpotenzial von Nagellackschwaden (pfui!), schon amüsant, wie Frau Rosenfeld das Unwiderstehliche an diesem Vernis als „it smells like garbage … but garbage with flowers!“ umschreibt.

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Und abgesehen davon, dass gerade solche Fäulnis-Klassiker wie Jasmin oder Tuberose tatsächlich in die Richtung „Müll und Totes“ gehen, könnte man die Phrase „like garbage with flowers“ auch gut und gerne in das Repertoire von Duftkritiken inkorporieren, nicht wahr?

 

Mode-Zukunft: die Grmpf Hose

Wahrscheinlich gibt es kaum eine tollere Berufsbezeichung mit Modebezug als „Future Wardrobe and Design Consultant“ bei einer Filmproduktion, noch dazu bei einem so gelungenen Film wie „Her“ von Spike Jonze. (Sidenote: Vom Trailer war ich ja nicht besonders angetan und schickte mich also fast widerwillig an, mir „Her“ anzuschauen, aber der Film selbst ist wirklich sehenswert und wartet mit sehr vielen interessanten kleinen Ideen in puncto „where mankind is heading“ auf).

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Da „Her“ in der zwar nicht allzufernen aber eben doch nicht ganz greifbaren Zukunft spielt (bezeichnend: gefilmt wurde On Location in Los Angeles und Shanghai, weil Shanghai offenbar als die urbanistische Zukunftsstadt gilt… Ich erinnere an „Blade Runner“, das ebenfalls in einem zukünftigen Los Angeles angesiedelt ist, welches sich aber deutlich dunkler und trister ausmacht als die durchaus lebenswerte Metropole, die in „Her“ zu sehen ist. Aber dann wieder: Spike Jonze ist nicht Ridley Scott…), musste also jemand her, der sich mit dem Manifest-Werden von Trends über eine Zeitspanne von mehr als nur ein, zwei Saisonen auskennt.

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Kenzo-Sweater, alle auf thecorner.com

 

Also ein Modedesigner – eh logisch. Als „Future Wardrobe and Design Consultant“ fungierte nun laut MitarbeiterInnenliste bei „Her“ Humberto Leon. Jawohl, Opening-Ceremony-Humberto. Und natürlich, Kenzo-Humberto. KEN-ZO. Eh schon wissen, Trendalarm und so.

So fühlt sich wahrscheinlich nicht nur Joaquin Phoenix, wenn er so eine Hose tragen muss. Grmpf.
So fühlt sich wahrscheinlich nicht nur Joaquin Phoenix, wenn er so eine Hose tragen muss. Grmpf.

Allerdings muss ich schon meiner Hoffnung Ausdruck verleihen, dass der gute Trend-Guru Humberto bei seiner Prophezeiung, dass die Zukunft (irgendwie mutmaßt man als „Her“-Zuseher, dass da nicht mehr so viel saisonaler Wechsel stattfinden wird, weil die Menschen ja quasi komplett postmateriell geworden sind) in erster Linie auf Taille geschnittene Wollhosen bringt, zumindest für Männer, nicht recht behält.

Auch ein Future Wardrobe Consultant kann schließlich nicht im Kaffeesud lesen, zwingend. Sage (und hoffe) ich jetzt einfach einmal so …

 

 

Scharfes Ornat

(c) PR image

Da glaubt man, man hat sein Mode-Einmaleins brav interiorisiert, und dann so was. Von Prada-Eyewear (eine Lizenz der Luxottica-Gruppe, die zum Beispiel auch die Brillen von Bulgari, Chanel, Dolce & Gabbana, Versace, Miu Miu fertigt) gibt es jetzt ganz neu die „Ornate“-Kollektion, die ja nun wirklich sehr versace-esque Züge angenommen hat – zumindest an dem einen oder anderen Bügel-Scharnier-Punkt.

Donatella und Miuccia, peacefully united? Das sollte man sich einmal genauer unter die Lupe, pardon: das Brillenglas, nehmen …

Gutes Neues

Damenkollektion Ute Ploier, FS2014, Foto: Maria Ziegelböck
Damenkollektion Ute Ploier, FS2014, Foto: Maria Ziegelböck

Nein, natürlich ist noch nicht die Zeit gekommen, wo man sich gegenseitig zum Beginn des Neuen Jahres gratuliert, sondern es gibt einfach gute Neuigkeiten und gutes Neues: Das gute Neue ist zum Beispiel die erste Damenkollektion von Ute Ploier, über die ich hier ausführlicher geschrieben habe und die kommende Woche im Rahmen des 13festival for fashion & photography erstmals einem Wiener Publikum gezeigt werden wird: Save the Date, pt. 1.

So, und ebenfalls im Rahmen von besagtem Festival findet ein „Fashion Talk“ statt, nämlich kommenden Mittwoch, ab 16 Uhr, im Mak, in dessen Rahmen ich mir gemeinsam mit illustren Panelists Gedanken über das Thema „Mode im Museumskontext“ (etwas vereinfachend gesprochen) machen werde: Save the Date, pt. 2.

Ein- und Überblick in das Festivalprogramm gibt es dann nochmals auf der festivaleigenen Homepage.